■ Mit der Politik des IWF auf du und du: Schonzeit für Ecuador
Quito (ips/taz) – Am Ende der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds wurde Direktor Michael Camdessus noch einmal deutlich. Kein Land dürfe seine Vorstellungen „vollständig durchsetzen“, warnte er die Industrieländer, die sich in Madrid geweigert hatten, neue Sonderziehungsrechte für Entwicklungsländer zu genehmigen. Deren Forderung nach einem Zuschuß von weiteren 50 Milliarden Dollar sei jedoch „völlig gerechtfertigt“, findet Camdessus.
Nur könnten IWF und Weltbank auch billiger helfen. Sie bräuchten nur Altschulden zu streichen. In Madrid ist das in einigen Fällen nun tatsächlich geschehen. Die beiden Organisationen erlassen zum Beispiel dem Staat Ecuador 45 Prozent seiner IWF- und Weltbankschulden von insgesamt 4,5 Milliarden Dollar. Der Rest muß erst in 30 Jahren zurückgezahlt werden, die Zinsen von 2,5 Milliarden Dollar in 20 Jahren. „Ein historischer Triumph“, sagt die Regierung in Quito, Gewerkschafter und Ureinwohner befürchten hingegen neue Krisen. Das Abkommen erzwingt umfangreiche Reformen. „Wie immer werden diejenigen, die keine Stimme haben, Opfer bringen müssen“, sagt Fausto Dutan vom Gewerkschaftsdachverband FUT. Der größte Teil der Schulden wurde in den 70er und frühen 80er Jahren von Regierungsbehörden und Unternehmern angehäuft. Dutan glaubt, daß die Einigung mit den Gläubigern nur deshalb zustande kam, weil Ecuadors Regierung eine „neoliberale Politik“ versprochen habe. Dazu gehören Privatisierungen, Entlassungen von Statsbediensteten, freie Preise und höhere Tarife für Dienstleistungen. Der seit 1992 amtierende Präsident Sixto Duran-Ballen hat bereits solche Programme durchgeführt. Meinungsumfragen zufolge unterstützen ihn jetzt nur noch zehn Prozent der Bevölkerung – das Durchschnittseinkommen des Landes sank um 60 Prozent.
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