■ Schöner Leben: Mit Abstand am besten
Habe ich mich innert langer Jahre an Mit- und Nebenmenschen soweit gewöhnt, um jetzt an meinen Hintermenschen in der Kassenschlange vollends zu verzweifeln? Muß das denn sein? Dieses Vorwärtsrempeln, Andrängeln, Abtätscheln? Dieses Schubsen, Schniefen, Heranwanzen? Kaum habe ich mich hintangestellt, werde ich a tergo von wogenden Busen und ragenden Wampen aufs Zutraulichste vorwärtsgeknutscht und als Verkehrshindernis vielfach abgestempelt. Kaum lege ich die ersten Waren aufs Band, verliert der Hinternächste vor Eifer gänzlich Anstand und Besinnung, langt links und rechts nach vorne und schaufelt schon seinerseits das Band blindlings voll; fremder Bart scheuert mir die Ohren, fremdes Bein wühlt in meiner Kniekehle – so geht das doch wirklich nicht weiter.
Meide ich seit Jahren den Wahn der Autobahn, um jetzt ausgerechnet im friedlichsten Kassenstau einen Auffahrunfall nach dem andern zu erleiden? Ich blicke hinter mich und sehe Gesichter, vertrottelt vor Überholzwang, mit Augen, die mich rastlos anflackern wie Lichthupen. Diesem deinen Treiben, o Mensch, gebiete ich hiermit Einhalt! Abstand sollst du halten zu deinesgleichen. Oder dir wenigstens einmal pro Woche die Zähne putzen. Manfred Dworschak
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