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Schöner Leben: Unter Läusen

■ Das hat man davon: Eisern blüht der Balkon!

Manchmal wächst einem alles über den Kopf. Speziell das, was man im Frühjahr gepflanzt hat. Das wächst und wächst und prangt und prunkt, und man selbst wird ganz klein und häßlich dabei und kommt auch mit dem Gießen nicht mehr nach. Morgens und abends stehst du bis zum Bauch im Gartenschlauch, spritzelst freundlich hierhin und dahin und wirst zum Dank zu Fall gebracht von der schlingelnden Schlauchschlange. Und da du fällst, wässert sanft das Tropfwasser des Übermieters deinen Scheitel und bringt auch die Frisur zum Erliegen.

O du herrlicher Heimwerker im herrlich waschbetonierten Nachbargarten! Gräbst bloß deine eigene Grube, in die du zu Herbstanfang fallen kannst; aber unsereins zapft fremde Läuse von Blättern, die den August nicht überleben. Und 23 Bienen im Rosenbusch lieben alle 23 Knospen ebenso wie mich.

Mein Gott: Natürlich ist dieses Kornblumenblau blau, so blau! Und selbstverständlich gehen gerade die Sonnenblumen auf; was sollen sie sonst machen? Rumstehen und lachen?

Ach, warum säen wir bloß jedes Jahr wieder den gleichen Unfrieden? Dieses sisyfusselige Werden und Vergehen, Vergehen und Werden! Fürs Auge? Da würde eine Petunie reichen. Wegen der Schädlingsbekämpfung als Ersatzhandlung? Nein, fünf Läuse ersetzen noch keinen Lieblingsfeind! Vielleicht, um uns im Winter wie blühende Überlebende zu fühlen? Claudia Kohlhase

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