: Schnüffelboom im Osten
Mit der deutschen Einheit eröffnete sich auch den westdeutschen Detektiven ein neuer Markt: Seit dem Oktober vergangenen Jahres „boomt“ ihr Geschäft im Osten. Aufträge in den neuen Bundesländern brachten für einige Detekteien aus dem Westen Umsatzsteigerungen bis zu 120 Prozent. Das erläuterte Lothar Wenzel, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Detektive (BDD) gestern in Frankfurt. Ihr weitaus größtes Betätigungsfeld finden die Profi-Spürnasen dabei im Bereich der Wirtschaftskriminalität. Eine Umfrage unter den etwa 200 Mitgliedern des Verbandes habe ergeben, daß fast 70 Prozent von ihnen bereits in den neuen Bundesländern aktiv sind. Zum „täglichen Brot“ gehöre die Aufklärung von Kreditbetrügereien, die Klärung von Eigentumsverhältnissen, aber auch die Überprüfung von Firmenmitarbeitern und Bewerbern bei Wirtschaftsunternehmen. Die meisten Aufträge kommen nach Darstellung des BDD von westlichen Unternehmen, die in den neuen Bundesländern investieren wollen. Für die „Schnüffelnasen“ aus dem Osten bleibe dabei kaum ein Markt übrig — von den etwa 100 Detektiven, die zwischen September und Dezember 1990 ein Gewerbe anmeldeten, hätten sich bis März diesen Jahres noch etwa zwölf auf dem Markt behaupten können.
Genügend „Nachwuchskräfte“ gibt es jedoch auch im Osten. Allerdings, so räumte Lothar Wenzel ein, seien etwa 70 Prozent der Bewerber, die einen Aufnahmeantrag in den BDD stellen, ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit. „Generell sollen diese Leute keinen Platz bei uns finden“, erklärte Peter Walpurgis, Inhaber einer Wirtschaftsdetektei in Bielefeld. „Wir wollen kein Auffangbecken für ehemalige Stasi-Leute sein.“ Auf Dauer jedoch könne „wohl niemand ausgegrenzt werden, der über eine ausreichende Qualifikation verfügt“. Voraussetzung für eine Aufnahme in den BDD ist neben einem polizeilichen Führungszeugnis eine Aufnahmeprüfung, der Nachweis über eine zweijährige gewerbliche Tätigkeit als Detektiv sowie die Unterzeichnung einer Erklärung, keine Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben.
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