■ Schnittplatz: Panne oder lange Leitung
Zwar war das ZDF am frühen Sonntag vormittag der erste Fernsehsender mit einer Sondersendung zum Unfall von Lady Diana und Dodi. Wer jedoch vorgestern abend – als sich die Fernsehnation durch mehr oder weniger umfängliche und erträgliche Beiträge auf allen Kanälen zappte – das für 19.30 Uhr angekündigte „ZDF- Spezial“ sehen wollte, guckte in die Röhre. Es gebe keine Leitungen, erklärte ZDF-Moderator Ruprecht Eser, und deshalb auch kein „Spezial“.
Nach Auskunft des Produktmanagers der dafür zuständigen Telekom, Willi Landau, waren die ZDF-Bestellungen für Korrespondentenleitungen nach Paris und London allerdings auch erst um 17.50 Uhr bzw. 18.25 Uhr für jeweils eine Stunde später eingegangen. Zu diesem Zeitpunkt war in London bei British Telecom leider niemand erreichbar, der die Bestellung entgegennehmen konnte, und der Leitung nach Paris fehlte ein kleines Teilstück. Denn zur Prime time wollten alle Sender Leitungen haben, das Netz war völlig überlastet. „Wir wollten nicht das machen, was die ARD gemacht hat, nämlich einfach altes Material aus der ,Tagesschau‘ senden. ,ZDF-Spezial‘ ist eine Institution und soll nicht nur Zeit füllen“, rechtfertigte gestern Jochen Mahrholdt von „ZDF-Aktuell“ die Absetzung gegenüber der taz.
Die ARD hatte dagegen ihren „Brennpunkt“ zunächst mit Archivmaterial gestartet, als die Leitungen wieder standen mit aktuellen Bildern fortgesetzt und damit am Sonntag erwartungsgemäß Platz eins der Einschaltquoten belegt. 11,27 Millionen Zuschauer sahen „Tod im Tunnel“, bescherten der ARD einen Marktanteil von 24 Prozent und bewiesen so den unvermeidlichen wie unwiderlegbaren Mediencharakter des tragischen Unfalls. Drei Stunden nach der geplanten Sendezeit brachte das ZDF sein „Spezial“ doch noch. Aber nachdem Dieter Thomas Heck auch noch seine „Schlagerparade“ überzogen hatte, schaffte „Prinzessin Diana – Eine Hetzjagd in den Tod“ den Sprung in die vom medialen Sachzwang diktierte Quotenhitliste der diversen Specials natürlich nicht mehr.bh/fk
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