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Schneller in den Knast

■ Grüner Justizminister startet Modellversuch für jugendliche Straftäter

Wiesbaden (taz) – Heute dem Mitschüler die Jacke geklaut, in drei Wochen schon als Angeklagter vor dem Jugendrichter. Ein vom hessischen Justizminister Rupert von Plottnitz (Bündnis 90/Die Grünen) initiierter Modellversuch soll jugendliche Delinquenten schneller vor die Schranken der Gerichte bringen.

Das pädagogische Ziel: Den Jugendlichen soll klargemacht werden, daß der Tat die Strafe auf dem Fuße folgt. Der Zusammenhang zwischen Strafe und Tat könne so „besser erkannt werden“ als bei den bislang üblichen Zeiten für Strafverfahren von einem halben Jahr und länger, hofft der grüne Minister. Der Modellversuch sei deshalb ein „Signal an die Täter und an die Opfer“. Auch könne er präventiv wirken; denn bei maximal drei Wochen bis zum Prozeßtermin habe ein Jugendlicher vielleicht nicht mehr die Energie, neue Straftaten zu begehen. Kriminelle Karrieren könnten so vielleicht verhindert werden.

Der am Dienstag begonnene Modellversuch ist unbefristet, nach einem Jahr soll eine erste Bilanz gezogen werden. Er bleibt zunächst auf Wiesbaden beschränkt. Ist das Modell erfolgreich, soll es auf ganz Hessen ausgedehnt werden. Polizei und Justiz spielen mit. Die Jugendrichter in Wiesbaden haben sich bereit erklärt, im Rahmen des Modellversuchs auch Mehrarbeit zu leisten. „Kurzer Prozeß“ soll dennoch nicht gemacht werden, sagte von Plottnitz. „Rechtsstaatliche Standards“ würden bei diesem Verfahren „nicht gesenkt“.

Für sein Modell bekam Justizminister Rupert von Plottnitz erstmals seit Amtsantritt Lob auch von der Opposition. Die FDP-Fraktion im hessischen Landtag sprach von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Klaus-Peter Klingelschmitt

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