Schließung des Nokia-Werks in Bochum: Hoffnung auf Folgearbeitsplätze

Eine Einigung mit der Nokia-Konzernspitze konnte der Betriebsrat bei Gesprächen nicht erreichen. Angeblich sollen aber Arbeitsplätze im Ruhrgebiet erhalten bleiben.

Nokia beharrt auf der Verlagerung der Produktion nach Rumänien. Bild: reuters

BOCHUM taz Die Geschäftsführung des finnischen Handyherstellers Nokia beharrt auf der Schließung ihres Werks in Bochum. Pläne des Bochumer Betriebsrats zum Erhalt der Fabrik, in der zurzeit noch 2.300 Festangestellte und über 1.000 Leiharbeiter arbeiten, wies die Konzernspitze gestern als "nicht umsetzbar" zurück.

Die Betriebsräte dagegen hatten sich vor ihrem Abflug nach Finnland noch zuversichtlich gezeigt, ihr Werk als Ganzes retten zu können: "Unser Plan ist, mit genauso viel Beschäftigten doppelt so viel zu produzieren", so der stellvertretende Betriebsratschef Silvano Guidone. Auch die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach hatte im Vorfeld betont, die Belegschaft wolle einen konstruktiven Kurs, Streiks seien vorerst kein Thema.

Für die Bochumer Arbeitnehmervertreter war es die erste Möglichkeit, überhaupt mit dem Nokia-Management über die Werksschließung sprechen zu können. Immerhin gibt es offenbar Hoffnungen auf Folgearbeitsplätze: Die Geschäftsführung habe bei den Verhandlungen am Nokia-Hauptsitz in Espoo angedeutet, dass sich der Handyhersteller für den Erhalt von Arbeitsplätzen im Ruhrgebiet einsetzen will, erfuhr die taz aus Gewerkschaftskreisen.

Denkbar sei etwa die Einsetzung eines Standortmanagers, der ähnlich einem Insolvenzverwalter versuchen könnte, den Betrieb von Teilen der Bochumer Produktion in Eigenverantwortung weiterzuführen, und dabei von Nokia unterstützt werde. Bedingung für ein Engagement der Finnen sei aber, dass "die Ersatzarbeitsplätze nicht unter dem Label Nokia laufen", hieß es dazu aus der IG Metall. Eine Unternehmenssprecherin sagte übereinstimmend, es gehe jetzt darum, für die Festangestellten Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen zu finden. Beide Seiten vereinbarten dazu offizielle Verhandlungen, die am kommenden Mittwoch beginnen sollen. Damit zeigt der wochenlange Protest der Mitarbeiter und der Bevölkerung im ganzen Ruhrgebiet erste Wirkung.

Das Bochumer Werk steht in direkter Konkurrenz zu einer neuen Fabrik in Rumänien, die Nokia erst am Montag eröffnet hat. Im siebenbürgischen Jucu in der Nähe der Stadt Cluj arbeiten derzeit 350 Menschen, bis 2009 sollen es 3.500 werden, so Nokia-Vizepräsident Juha Putkiranta. Seinen neuen Mitarbeitern zahlt Nokia laut Berichten der rumänischen Presse einen Monatslohn von 800 Lei, das sind 219 Euro -die Hälfte des landesüblichen Durchschnittsgehalts. In den Textilfabriken rund um Cluj verdienen die meist weiblichen Arbeiter aber oft nur 100 Euro.

Nokia nahm dazu keine Stellung - auch die Frage, wie viel billiger die Produktion eines Handys in Rumänien sei, beantwortete Nokia-Vize Putkiranta nicht. Auch verweigerte das Unternehmen Auskunft zu den geplanten Stückzahlen. Stattdessen haben laut Nachrichtenagenturen Vorarbeiter und Wachmänner versucht, Kontakt von Journalisten mit den neuen Nokia-Mitarbeitern zu verhindern.

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