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Schläge auf Gastredner

■ Im französischen Nanterre führte das Thema „Deutschland“ zum Streit

Paris (taz) – Deckt der Präsident der französischen Universität Nanterre die Vertreibung des deutschen Gastredners Ludwig Watzal? Diesen Eindruck erweckt das Verhalten des Universitätspräsidenten, Michel Imberty, der „die Bewahrung der Ruhe“ zur „absoluten Priorität“ erklärt hat. Seine Passivität schützt Mitglieder der Studentengewerkschaft „Confédération nationale du travail“ (CNT). StudentInnen der CNT, die sich als „Anarcho-Revolutionäre“ bezeichnen, hatten Watzal Ende April körperlich angegriffen, weil er angeblich Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen unterhalte. Watzal, der für die „Bundeszentrale für politische Bildung“ arbeitet, war am 28. April in der Universität im Westen von Paris zu einem Gespräch über das Thema „Germanophilie, Germanophobie, Deutschland in Frage gestellt“ geladen. Neben ihm sollten auch der Gießener Professor Claus Leggewie sowie weitere deutsche und französische Gäste über die Verträge von Maastricht und die Rolle Deutschlands in Europa diskutieren. Das Gespräch hatte der Dekan der Fakultät für Sprachen, Jean-Michel Korinman, organisiert.

Nachdem Watzal vorgestellt worden war, skandierten etwa 20 Personen „Nazi, Faschist“ sowie „Auschwitz, Mölln, Solingen“, berichtet Watzal. Die StudentInnen erklärten, sie hätten ein „Dossier“ über Watzal und dessen angebliche Verbindungen zu dem rechtslastigen „Bund Freier Bürger“ des ehemaligen Brüsseler Kommissionsmitarbeiters Manfred Brunner – ein Vorwurf, den Watzal bestreitet.

Nachdem Korinman die Veranstaltung abbrach, wurde Watzal aus dem Saal und über den Campus bis hin zum Bahnhof der Schnellbahn gejagt. Dabei sei er mehrmals „getreten, von hinten heftig am Jackett gerissen und einmal bespuckt“ worden. Auch Leggewie sei geohrfeigt worden, „weil er sich mit ,Kollaborateuren‘ einlasse“, erzählt Watzal weiter.

Dekan Korinman trat inzwischen aus Protest gegen diesen „Angriff gegen die Meinungsfreiheit“ von seinem Posten zurück. Er habe Imberty mehrere Beweise für die demokratischen Überzeugungen seines Gastes geliefert. Nun müßten die Angreifer sowie ihre Organisation vor die Disziplinarkommission der Universität geführt werden, fordert der Professor. In Nanterre haben Studenten der CNT schon mehrfach versucht, ihre Forderungen militant durchzusetzen: So verhinderten sie vor einem Jahr eine Wahl, bei der eine Liste der rechtsextremen „Front National“ antreten wollte. Mit der Besetzung der Verwaltungsbüros hatten sie im Dezember die Gleichstellung ausländischer StudentInnen gefordert. bk

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