Schalke 04 gegen Hannover 96: An Enke gescheitert

Die bessere Mannschaft gewesen zu sein nützt Schalke 04 bei Hannover 96 auch nichts. Die 0:1-Niederlage manifestiert das Mittelmaß der Rutten-Elf.

Robert Enke freut sich, dass er bei seiner Rückkehr das Tor der Hannoveraner glanzvoll sauber halten konnte. Bild: dpa

HANNOVER taz Als Marcelo Bordon, frisch geduscht und schlecht gelaunt, zu ersten Erklärungsversuchen ansetzte, sprach er so leise und ernst wie bei einer Grabrede. "Die Champions League ist sehr weit weg für uns", sagte der Abwehrchef jenes FC Schalke 04, der gerade mit einer 0:1-Pleite bei Hannover 96 in die Rückrunde gestartet war. Bordon redet in diesen Tagen mehr von seinem Karriereende, das er trotz eines Vertrages bis 2011 für das kommende Jahr angekündigt hat, als dass ihm etwas zu den Perspektiven seines ambitionierten Millionenklubs einfiele. Der 33-Jährige wirkt müde, entnervt, enttäuscht. Es gibt bessere Signale für eine Mannschaft, bei der die Unruhe einen Stammplatz hat.

Hannover 96: Enke - Pinto, Eggimann, Fahrenhorst, Rausch - Balitsch (70. Bastian Schulz), Christian Schulz - Rosenthal, Huszti (84. Bruggink) - Stajner, Hanke (80. Forssell)

FC Schalke 04: Neuer - Rafinha (65. Krstajic), Höwedes, Bordon - Ernst (49. Kuranyi), Westermann - Kobiaschwili, Rakitic - Farfán, Altintop, Asamoah

Schiedsrichter: Brych (München) - Zuschauer: 45 667

Tor: 1:0 Pinto (8.)

Gelbe Karten: Stajner (2), Pinto (3) / -

Beste Spieler: Pinto, Rausch / Neuer, Bordon

Was auch immer die Schalker in Hannover vor dem Tor anstellten: Es ging schief. Gerald Asamoah etwa, der bei 96 groß geworden ist und in froher Erwartung eines schönen Fußball-Nachmittags seine gesamte Familie auf der Tribüne postiert hatte, brachte in der 39. Minute das Kunststück fertig, aus einem Meter am Tor vorbeizuköpfen. Es sah fast so aus, als wollte er Robert Enke bei seinem Comeback einen Gefallen tun.

Der Kapitän von Hannover 96, der vier Monate nach seinem Kahnbeinbruch ein sehenswertes Comeback gab, bewarb sich mit Glanzparaden in Serie für eine Rückkehr in das Tor der deutschen Nationalmannschaft. Und er hielt Schalke auf dem Weg zurück nach oben auf. "Das Tor war wie vernagelt", meinte Schalkes Manager Andreas Müller voller Ernüchterung.

Enke war der gefeierte Mann vor 45.667 Zuschauern. "Es ist ein tolles Gefühl, so zurückzukehren", sagte der 31-Jährige, der beim Trikottausch die Arbeitskleidung des neun Jahre jüngeren Kollegen Manuel Neuer wie eine Trophäe in Empfang nahm.

Bei seiner souveränen Rückkehr half Enke eine Mischung aus Können, Glück und Unvermögen der Gäste. Denn die Schalker machten das deutlich bessere Spiel. Und wer hätte ahnen können, dass einem gewissen Sergio Pinto, den Hannover 96 aus Verlegenheit in der Vierer-Abwehrkette aufstellt, ein Sonntagsschuss am Samstag gelingt. Der Portugiese besiegelte mit seinem herrlichen Treffer aus 25 Metern (8. Spielminute) eine Schalker Niederlage, die schmerzt.

"Es tut weh, wenn man so ein Spiel nicht gewinnt", sagte Trainer Fred Rutten. Während der Coach versuchte, eine versöhnliche Version vom verkorksten Auftritt in Hannover zu liefern, schlich hinter ihm Mittelfeldspieler Fabian Ernst mit gesenktem Haupt in Richtung Mannschaftsbus. An seinem rechten Hinterkopf klebte ein großes Pflaster, das eine Platzwunde nach einem Zusammenprall mit 96-Stürmer Mike Hanke überdeckte. Ernst, Bordon, Schalke, Müller und Rutten: Sie alle machten sich, ob mit oder ohne Pflaster, angeschlagen auf die Heimreise. CHRISTIAN OTTO

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