: Sarrazin drängt auf harte Einschnitte
Finanzsenator will ganze Aufgabenbereiche streichen, um den Sparkurs umsetzen zu können. Die Planung bis 2006, auf die sich der Senat gestern festlegte, steht und fällt mit dem Solidarpakt, der 500 Millionen Euro einsparen soll
Mit dem Doppelhaushalt 2002/2003, den das Abgeordnetenhaus voraussichtlich Ende Juni beschließen wird, ist das Ende des Sparens noch lange nicht eingeleitet. Der rot-rote Senat hat gestern in seiner mittelfristigen Finanzplanung weitere empfindliche Kürzungen bis zum Jahr 2006 beschlossen.
Demnach sollen in den nächsten vier Jahren die konsumptiven Sachausgaben – die Ausgaben für die Verwaltung und die Zahlungen an Dritte – um knapp 1,8 Milliarden auf etwa 7,8 Milliarden Euro (2006) sinken, sagte Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) gestern. Die Investitionsausgaben, vor allem im Hochbaubereich, will Sarrazin von 2,1 Milliarden um ein Siebtel auf 1,8 Milliarden Euro verringern.
Sarrazin schweben gravierende Veränderungen der Berliner Ausgabenpolitik vor. „Im normalen Haushaltsverfahren lassen sich solche Größenordnungen nicht umsetzen“, sagte er gestern. „Wir müssen nicht überlegen, wie wir Aufgaben angehen, sondern ob wir noch alle Aufgaben in Zukunft übernehmen können.“ Der Senat werde sich deshalb im Sommer zusammensetzen, um über strukturelle Einsparungen zu reden.
In welche Richtung die SPD-PDS-Regierung dabei denkt, wollte Sarrazin nicht verraten. Noch würden Vorschläge in seinem Haus intensiv vorbereitet. Der rot-rote Senat war zu Beginn seiner Amtszeit vorerst mit dem Versuch gescheitert, durch die Schließung eines Universitätsklinikums die Hochschulausgaben strukturell zu verringern.
Ob Sarrazins Zahlenwerk funktioniert, steht ohnehin noch in den Sternen. Das betrifft vor allem die Personalausgaben. Die in den Solidarpakt-Verhandlungen mit den Gewerkschaften angestrebte Senkung der Personalkosten um jährlich um 500 Millionen Euro vom kommenden Jahr an müsse mit konkreten Zahlen und Maßnahmen unterlegt werden, forderte der Senator. Bei der ersten Runde der Solidarpakt-Verhandlungen am 21. Mai gehe es um einen allgemeinen Austausch und eine Verständigung über die zugrunde liegenden Zahlen.
Sarrazin bedauerte allerdings auch, dass Berlin aufgrund des harten Konsolidierungskurses viel zu wenig investiere. Gemessen am Durchschnitt von Ländern und Gemeinden liege Berlin 700 Millionen Euro pro Jahr unter dem Durchschnitt.
RICHARD ROTHER
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen