Sanssouci: Vorschlag
■ „Miss Mona“, Spielfilm von Mehdi Charef
Miss Mona (Jean Carmet) steht unter der Straßenlaterne und zupft die braune Damenperücke zurecht. Um Geld für die Geschlechtsumwandlung zu verdienen, geht sie, die eigentlich Jean heißt, auf den Strich. Samir (Ben Smail) ist Araber, arbeitslos und lebt illegal in Paris. Als ihm die Abschiebung droht, flüchtet er aus dem heruntergekommenen Wohnheim. In den nächtlichen Straßen, auf einer Bank begegnet er einem alternden Mann mit Damenperücke, Plastikmantel und gemustertem Kleid.
„Miss Mona“, nach „Tee im Harem des Archimedes“ der zweite Spielfilm von Mehdi Charef, erzählt von Miss Mona, die Samir liebt, ihn in die Unterwelt führt und anschaffen schickt. Schleppenden Schritts bewegt sich der Film durch das Labyrinth der illegalen Einwanderer, Stricher, Transvestiten, kreist um Bars, Pissoirs, Peep-Shows, Hinterhöfe. Charef zeigt die Stadt von ihrer untergründigsten Seite, ohne Großstadtblues oder verklärende Romantik in der neonbraunen Schattenwelt. Nichts wird zur Besichtigung freigegeben, nichts erregt Mitleid, schon gar nicht das Leid und die Einsamkeit.
„Miss Mona“ erzählt von Niederschlägen, Lebenszeichen, Träumen. Charefs Protagonisten agieren in den Randzonen der Gesellschaft und sind doch abgrundtief bürgerlich. Sie verbindet eine unendliche Traurigkeit und ein unverwüstlicher Überlebenswillen. Da sie längst umeinander wissen, sprechen sie selten. Zur Verständigung genügen ihnen wenige Blicke. Obwohl die Menschen auf der Leinwand allesamt scheitern, bewahren sie sich Würde und die Hoffnung auf irgend etwas, für das beim Betrachten die Worte fehlen.
Mehdi Charef hat mit „Tee im Harem des Archimedes“ für Aufsehen gesorgt, während „Miss Mona“, dieses rührend-beklemmende Nachtstück aus dem Jahr 1986, so gut wie unbekannt geblieben ist. Vielleicht weil der Film etwas abtastet, das sich auch im Kino nur schwer ertragen läßt: zersprungene Persönlichkeiten und lautlose Risse, kaum wahrzunehmen an der Oberfläche. „Ich hatte einmal ein Herz besessen, aber das war so ziemlich das einzige, dessen ich sicher war“ – Scott Fitzgerald hat 1936 die fehlenden Worte gefunden. Michaela Lechner
Bis zum 2.12. im Checkpoint, Leipziger Straße 55
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