Sanssouci: Vorschlag
■ M. Walking On The Water im Huxley's
Es sah nach einer richtig schön hausgemachten Erfolgsstory aus. 1989 erschien das Album „Pluto“ der Band M. Walking On The Water auf dem kleinen Bremer Label Fuego. Auffällige Cover Art hob es aus dem Massenangebot im dortigen Saturnplattenladen derartig heraus, daß man wie ferngelenkt die Platte unter den Arm klemmte und mitnahm. Zu Hause dann Erstaunen: Merkwürdig verschachteltes, sperriges, trotzdem melodisches Folkzeugs. In Irish Moos ge- aber nicht ertränkt. Englische Texte – damals noch normal, heute für die Band fast antiquarisch – die man nicht verstand. Später dann, im Konzert: Männer, die sich Balken auf die Köpfe bandagiert hatten, die eine weiße Kluft trugen, nicht so fies wie die Jungs in Clockwork Orange. Eine Stimmung wie auf einer eher nicht so öffentlichen Party.
Und plötzlich wurde M. Walking vom Geheimtip zum Insidertip zum Radiohit. Halt, nicht ganz. Aber sie wurden im Radio gespielt, und man dachte: sind das jetzt die, die irgendwann ganz groß rauskommen? Das dachten auch die Talentscouts bei der Polydor in Hamburg. Ihre „Progressive Musik“ hatte schon Zappel-Phillip Boa und Element Of Crime verpflichtet. Es war die Zeit, in der man bei Interviews immer fragte: „Bedeutet der Wechsel zur Industrie einen Ausverkauf für eure Musik?“ Antwort 1989: „Wichtig ist, daß wir persönlich ein gutes Gefühl dazu haben. Wir haben Zeit, werden noch berühmter. Aber wir können auch jetzt schon von unserer Musik leben.“
Heute scheint ihnen das Wanderzirkusimage, das sie sich selbst gebastelt hatten, (Motto: Wir haben in allen Fußgängerzonen Deutschlands gespielt) ein zu enges Korsett zu sein. Ihre neue Platte heißt selbstironisch „Split“, klingt aber weder nach Neubeginn noch nach Weiterentwicklung. Mehr so, als wollten sie doch lieber in die Fußgängerzonen zurück. Aber die sind so ungemütlich geworden. Andreas Becker
M. Walking On The Water, Sonntag, 24.04., um 20 Uhr im Huxley's, Hasenheide 108, U-Bahn Hermannplatz
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