piwik no script img

SanssouciNachschlag

■ Neues Konzept für Moabiter Kulturfabrik notwendig

Noch im Frühling durchweht die Räume in der Kulturfabrik ein eiskalter Wind, die oberen Stockwerke sind durchnäßt, der Putz bröckelt von den Wänden – ein geregelter Betrieb ist in den Wintermonaten kaum möglich. Doch seit einiger Zeit haben sich Bezirk und Senatsverwaltung des Projektes angenommen, mit nicht nur positiven Konsequenzen.

Vor gut drei Jahren gründeten Moabiter Bürger und Künstler in der seit 17 Jahren leerstehenden preußischen Heeresfleischerei in der Lehrter Straße das Projekt Kulturfabrik. Mit 100.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden und 300.000 Mark entstand im „kulturellen Brachland“ Moabit ein „künstlerisches Biotop“: Ein Jazzclub, ein Musikkeller für vorwiegend noch unbekannte Bands, zwei Theaterbühnen für freie Gruppen und das einzige Kino in ganz Moabit. Bisher war die Kulturfabrik nur geduldete Nutzerin der Räume. Die jetzt anstehende, dringend nötige Sanierung des Gebäudes beendet den halblegalen Zustand automatisch, weil dafür öffentliche Mittel benötigt werden. Im Gegenzug muß die Kulturfabrik die oberen drei Stockwerke abgeben und damit auch auf ihre Künstlerateliers verzichten. Ein Tanztheater, eine Gruppe alternativer Ingenieurbüros und der Bildungsmarkt e.V. ziehen ein und gründen gemeinsam mit der Kulturfabrik den neuen Trägerverein. Auch Miete wird dann fällig, die aus eigenen Mitteln nur schwer aufzubringen sein wird. Hartmut Bröcke, zuständiger Vertreter der Senatsverwaltung, mahnt jedenfalls schon einmal nötige „Auswirkungen auf die Art der Kulturangebote“ an – Kommerzialisierung wird gewünscht. Die Kulturfabrik jedenfalls feiert erst mal ihren neuen offiziellen Status unter dem Motto „Nie wieder Kunst“. Volker Weidermann

Benefizparty am 7.5., 20 Uhr, Kulturfabrik, Lehrter Straße 35.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen