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SanssouciVorschlag

■ The Volcano Theatre Company mit L.O.V.E. im Podewil

James Hewison, Fern Smith und Paul Davies Foto: Thomas Aurin

Verstohlene Blicke, halbe Enthüllungen, eine flüchtige Berührung – die drei Schauspieler sind in ein Netz höchst komplizierter Empfindungen eingesponnen, bevor das erste Wort gesprochen wird. Schwer atmend stehen sie an der Rampe, bis sie das Wort gefunden haben: „my love“. Ein abgenutztes Wort, aber nicht totzukriegen. Im Titel der Inszenierung des bekannten englischen Performers Nigel Charnock steht ein Paukenschlag nach jedem Buchstaben: „L.O.V.E.“

„My love is as a fever“, beginnt Shakespeares 147. Sonett. Ein rätselhaftes Beziehungsgeflecht verbindet den Sprecher der Sonette mit seinem jungen Freund und seiner dunklen Geliebten. Von den 154 Gedichten des Zyklus hat sich die britische Volcano Theatre Company 30 herausgepickt, darunter die sechs sogenannten „Liaison-Sonette“, die um das Dreiecksverhältnis kreisen. Aber obwohl hier Gedichte ganz korrekt rezitiert werden, ist „L.O.V.E.“ alles andere als eine Lesung. Liebesschnulzen und Heavy Metal fügen sich wie selbstverständlich in die Performance. Paul Davies, Fern Smith und James Hewison bewegen sich voll akrobatischer Zärtlichkeit und anmutiger Brutalität. Ein Sonett voller Antithesen wird zum Dialog, von Küssen unterbrochen. Geschickt turnen die Männer an dem stählernen Himmel des blutrot bezogenen Bettes herum. Sie können wie die Fledermäuse herabhängen und doch ungerührt ihren Text sprechen, ebenso wie die muskulöse schwarze Dame, wenn sie einen von ihnen über die Bühne trägt – ohne den berauschenden Versen jemals die Schau zu stehlen. Spielerisch verfremden die drei den Text, wenn sie im Chor alle altfränkischen Wendungen aufzählen, von „forsooth“ über „betwixt“ bis „wouldst thou?“ Und wenn der blonde Freund einen Brief des Dichters mit seiner besten „Laurence-Olivier-Voice“ vorträgt, ist das eine abgeschlossene kleine Komödie. „So was schreibt er an alle“, behauptet die Freundin eifersüchtig – „Und Nr. 71 ist kein sehr guter Titel.“

Aber Liebesgeplänkel kann so rasch grausam werden wie (laut dem 129. Sonett) die schiere Lust: „perjur'd, murderous, bloody, full of blame“. Die vulkanischen Theatermacher spielen im Wortsinn Theater der Grausamkeit: Mit Fäusten und Messern gehen die eifersüchtigen Liebenden aufeinander los, quälen den Geliebten, schlagen einander tot. Schon Shakespeare hat empfohlen, von der Liebe lieber die Finger zu lassen. Miriam Hoffmeyer

Nur noch heute abend im Podewil, 20 Uhr, Klosterstraße 68/70, Mitte.

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