Sanssouci: Vorschlag
■ Ein "Afro-Europäer": Manu Dibango im Quasimodo
Manu Dibango ist kein Newcomer. Über 20 Platten dokumentieren die Karriere des 60jährigen Kameruners, der einst in Marseille Musik studierte und im jazzigen Paris der 50er Jahre hängenblieb. In den 60ern tourte er zwar auch durchs unabhängige Afrika und lebte in New York, aber nach Paris kehrte er immer wieder zurück: „Weil ich frankophil bin, verglichen mit Afroamerikanern bin ich ein Afro-Europäer. Ich muß nicht nach meinen Roots suchen – ich weiß, wer ich bin. In Amerika suchen sie nach ihren Roots. Es ist nicht das gleiche, ich bin kein Europäer, sondern ein Afro-Europäer. Es hängt von der Ebene ab, auf der man es betrachtet: ob afrikanisches Level, kamerunisches Level, ethnisches Level – es ist stets etwas anderes.“ In einem ausführlichen Interview der Zeitschrift jazzthetik, schwärmt er vom panafrikanischen Traum, seiner Vision dessen, was sein könnte, was aber eben mit der tribalistischen und nationalistischen Realität im heutigen Afrika so wenig gemein hat.
Die Musik auf seiner neuen CD „Wakafrika“ (Intercord) – Eine Reise durch Afrika – „zählt zu einer besonderen Ausprägung des Jazz, nämlich der afrikanischen“, erläutert Dibango, der sich eigentlich eher als Popmusiker sieht. Puristen also weggehört! Denn für Dibango ist der Jazz wie ein großer Topf – in dem er „Pata Pata“ zubereitet. Oder andere African Standards, wie die Songs bei Dibango heißen, wie Babat Olatunjis „Jingo“ etwa, dem einstigen Freund Coltranes, der Santanas Millionenseller komponierte. Neben King Sunny Ade, Salif Keita, Ladysmith Black Mombasa, Youssou N'Dour und weiteren Big Names der afrikanischen und afro-europäischen Musikszene hat Wakafrika auch einen Vorzeigeweißen: „Ich wollte ein offenes Afrika zeigen. Aus dem Grunde habe ich auch Peter Gabriel eingeladen, an der Platte mitzumachen. Er ist der einzige Weiße, der einen Song über einen afrikanischen Märtyrer geschrieben hat, über Biko.“ Dibango ist also wieder auf Reisen, zwar ohne Gabriel, aber dafür mit seinen hübschen Plastiksaxophonen. Christian Broecking
Heute um 22 Uhr, Quasimodo, Kantstraße 12a, Charlottenburg.
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