: Salman Rushdie wird weiter gejagt
■ Die iranische Regierung will nicht schriftlich erklären, daß sie auf die Verfolgung des Autors der „Satanischen Verse“ verzichtet / Teheran fühlt sich von europäischen Regierungen brüskiert
Paris/Teheran (taz/AFP) – Abfuhr für die Europäische Union aus Teheran: Die iranische Führung bleibt bei dem 1989 von Ajatollah Chomeini ausgesprochenen Mordaufruf gegen Salman Rushdie. Zwar traf Irans Vizeaußenminister, Mahmoud Vaesi, gestern wie geplant in Paris mit Diplomaten der aus Frankreich, Spanien und Deutschland bestehenden EU-Troika zusammen. Anders als angekündigt überreichte er jedoch keine Verpflichtungserklärung, wonach die iranische Regierung den Autor der „Satanischen Verse“ innerhalb der EU nicht mehr verfolgen will. Ein entsprechendes Schreiben hatte die EU am 19. April vom Iran verlangt. Ein Sprecher der iranischen Botschaft in Paris sagte gestern, Vaesi habe seinen Gesprächspartnern erklärt, die Europäer müßten „die großen monotheistischen Religionen respektieren“.
In den vergangenen Tagen hatte es in Teheran geheißen, Iran werde die EU- Forderungen erfüllen. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums hatte erklärt, Vaesi werde ein Schreiben nach Paris mitnehmen, das auf die EU-Forderung eingehe. Gestern berichtete dann die iranische Nachrichtenagentur IRNA, ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums namens Mortesa Sarmadi habe erklärt, das Treffen in Paris sei gar nicht angesetzt worden, um der EU eine Antwort der iranischen Führung zu übermitteln. Laut Sarmadi handelte es sich bei dem Termin um eines von mehreren Treffen, wie sie regelmäßig zwischen Vertretern Irans und der EU stattfinden. Auf der Tagesordnung stünden „Angelegenheiten von allgemeinem Interesse“. Für den Fall, daß die Rushdie-Affäre zur Sprache komme, werde die Delegation Irans „bisherige Haltung“ und „seine Verpflichtung, internationale Regeln zu respektieren“ bekräftigen.
Die halbamtliche Zeitung Iran News schrieb gestern auch unter Berufung auf einen Sprecher des iranischen Außenministeriums, es werde keine schriftliche Verpflichtung aus Teheran geben. Grund sei die Haltung der europäischen Länder bei dem G-7-Treffen der vergangenen Woche. In dem Schlußkommuniqué des Treffens hatten die sieben führenden Industrienationen und Rußland Iran aufgefordert, die Unterstützung terroristischer Bewegungen einzustellen. Gleichzeitig riefen sie andere Länder auf, Iran nicht bei der Entwicklung seiner Atomwaffenfähigkeit zu helfen. taud Tagesthema Seite 3
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