piwik no script img

Salbungsvolle Entspannung

■ Besuch bei der Kosmetikerin: Die Behandlung macht schön und süchtig

: Die Behandlung macht schön und süchtig

„Hinein ins Vergnügen“, ermuntert mich die Kosmetikerin, als ich zögerlich auf ihrem Zahnarztstuhl Platz nehme, und bringt mich in die Waagerechte. Noch zweifle ich, ob mein erster Besuch im Kosmetiksalon vergnüglich wird. Denn bisher haben mir Cremes und Lotionen meist Tränen in die Augen getrieben — eine allergische Reaktion.

In den Salon „Die Kunst der Kosmetik und des Parfums“ habe ich mich dennoch gewagt, denn im Schaufenster wird versichert: „Wir behandeln ausschließlich mit reinen Naturprodukten.“

Die erste Salbung beginnt, das „Abreinigen“. Mein Gesicht verschwindet unter feuchtwarmen Tüchern, auf sie folgen rotierende Bürsten. „Soll ich die Augenbrauen zupfen?“ fragt Genia Mentz, und mit wird angst und bange. Meine Versuche in früher Jugend, die buschigen Brauen auf die modisch angesagte Strichform zu bringen, sind mir in schmerzhafter Erinnerung. Aber ich lass' mich schließlich doch darauf ein, und die Kosmetikerin entfernt einige querstehende Brauenhaare — kurz und schmerzlos.

Die Bedampfung ist höchst angenehm, ein Schwitzbad fürs Gesicht, danach darf ich mich von meinen Mitessern verabschieden. Auch das piekst viel weniger als bei der Eigenbehandlung. Genia Mentz erklärt mir, daß Hautunreinheiten seltener auftreten, wenn sie regelmäßig fachkundig entfernt werden.

Die Gesichtsmassage entspannt und macht mich müde, meine Aufmerksamkeit läßt nach. Die Kosmetikerin lacht: „Hier sind schon viele eingeschlafen, manche schnarchen auch.“ Eine Kundin, die während der Behandlung sanft entschlummert ist, habe gar versucht, sich gemütlich auf den Bauch zu drehen.

Genia Mentz überläßt mich meinem Dämmerzustand. Eine Maske aus Weizenkeimöl bedeckt mein Gesicht, Wattebäusche liegen auf meinen Augen. Mit der Frage „Soll es ein Tagesmakeup sein?“ werde ich wieder geweckt. Mir kommt eine Kollegin in den Sinn, die gerne bunt geschminkt im Dienst erschien. „Vier Prozent Kunst am Bau müssen sein“, pflegte sie zu sagen. Als Teenager mißlangen meine Experimente mit Lidschatten und Wimperntusche stets gründlich, ich sah danach meist aus, als sei ich in eine Prügelei geraten. Aber nun bin ich neugierig, was Kunst am Bau aus meinem Gesicht macht.

Nach den Kriterien der Farbberatung sei ich „ein Wintertyp“, erfahre ich und muß gestehen, daß mir das Altrosa auf den Wangen recht gut zu Gesicht steht. Auch nachdem ich das Makeup abends entfernt habe, sind meine Wangen noch rosig, und ich beschließe, mir auch künftig dann und wann einen erholsamen Besuch im Schönheitssalon zu gönnen. Vera Stadie

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen