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„SPD muß sich jetzt entscheiden“

■ Krista Sager, Bundesvorstandssprecherin der Bündnisgrünen, über die Option eines rot-grünen Reformprojekts auf Bundesebene

taz: Wie erklären Sie sich die Erfolge der Bündnisgrünen?

Krista Sager: Unter anderem mit einem Wertewandel in der Gesellschaft. Die Ziele, für die wir stehen – Ökologie, soziale Gerechtigkeit, Grund- und Menschenrechte – erfahren breite Zustimmung. Außerdem haben wir durch eine sehr solide Politik deutlich gemacht, daß die Grünen ihre Kinderkrankheiten überwunden haben: Wir konzentrieren unsere Kraft auf ökologische und soziale Veränderungen in der Gesellschaft, und zwar nicht mit ideologischen Parolen, sondern mit ganz pragmatischer Politik.

Welche Auswirkungen hat der Erfolg auf die Bundespolitik?

Für die Bundesebene sind die Wahlerfolge ein deutliches Signal, daß sich die Mehrheiten in der Bundesrepublik verändern. Wenn es in dem bevölkerungsstärksten Bundesland NRW für Rot-Grün reicht, dann verändert sich die politische Einfärbung in der Republik insgesamt. Das ist nicht nur eine Frage von Zahlenspielen, sondern auch von Inhalten. Die Mehrheiten gehen in Richtung soziale und ökologische Politik. Die Kohl-Regierung steht zunehmend auf tönernen Füßen.

Können Sie sich in einem der beiden Bundesländer Schwarz- Grün vorstellen?

Wir haben in Bremen und in NRW einen klaren rot-grünen Wahlkampf geführt. In beiden Ländern ist das Profil der CDU jenseits dessen, was wir uns an Bündnispartnern vorstellen.

Gilt das für die Bundesebene?

Erst recht. Uns geht es gerade darum, eine Alternative zum Sozialabbau und zur ökologischen Verantwortungslosigkeit aufzubauen. Es ist jetzt Sache der SPD, das schon erwähnte bundesweite Signal aufzugreifen. Es ist vor allem Sache von Rudolf Scharping, jetzt deutlich zu machen, daß er begriffen hat, daß die Ablösung der Kohl-Regierung nur durch eine rot-grüne Reformpolitik möglich sein wird. Man merkt sowohl in Bremen als auch in NRW, daß die SPD große Probleme hat, zu einer politischen Partnerschaft zu finden. Die Frage ist aber, wie kann man einen Machtwechsel in Bonn organisieren. Das schafft die SPD nicht aus eigener Kraft. Dafür braucht sie einen Partner.

Wie können die Bündnisgrünen verhindern, daß sie als dritte Kraft nicht wie die FDP zu einer reinen Mehrheitsbeschaffer-Partei verkommen?

Wir haben schon in der Vergangenheit glaubhaft gemacht, daß es uns nicht um das Mitmachen um jeden Preis geht. Auch für die SPD ist die Regierung mit den Grünen nicht zum Nulltarif zu haben. Interview: Karin Nink, Bonn

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