SPD-Bundestagskandidat für Friedrichshain-Kreuzberg: Erst Dreikampf, dann Wahlkampf

Gleich drei Sozialdemokraten wollen in der Grünen-Bastion Friedrichshain-Kreuzberg als Direktkandidat antreten. Die Entscheidung fällt die Partei-Basis.

Was den Grünen nun bevorstehen könnte, ist bei der SPD schon Realität: Mehrere Bewerber treten an, um bei der Bundestagswahl der Direktkandidat ihrer Partei in Friedrichshain-Kreuzberg zu werden. Alle drei setzen dabei auf soziale Themen - am Ende wird die Parteibasis in einer Mitgliederentscheidung darüber bestimmen, wer für die SPD ins Rennen geht.

Ahmet Iyidirli (52) präsentiert sich als der Kandidat aus dem Herzen des Bezirkes: "Ich lebe hier schon lange, kenne die Probleme, arbeite in Vereinen und Projekten, mache viele Aktionen." Im Bundestag will er sich um die "Probleme in unserem Wahlkreis kümmern, Arbeit und Soziales ist besonders wichtig". Auch die Migrations- und Integrationspolitik sei ihm wichtig.

Iyidirlis Nachteil: Er hat es bei der Bundestagswahl 2005 schon einmal probiert - und ist gegen den Grünen Hans-Christian Ströbele gescheitert. Der bekam mehr als doppelt so viele Stimmen. Iyidirli erklärt: Durch die vorgezogene Neuwahl habe er nicht so viel Zeit gehabt, sich gegen den populären Ströbele zu profilieren. Doch seither sei er viel im Wahlreis unterwegs gewesen und daher viel bekannter als im Jahr 2005, sagt er.

Björn Böhning ist das Gegenmodell zu Iyidirli. Er ist jung, und seine Welt ist nicht die Bezirks-, sondern die Bundespolitik. Er plaudert nicht drauf los, sondern gibt auf jede Frage eine kurze, gut abgewogene Antwort. Bei seiner Kandidatur "geht es darum, dass es einen Bundestagsabgeordneten gibt, der sich für Arbeitsplätze und Soziales einsetzt und das auch schon unter Beweis gestellt hat", sagt der 30-Jährige. Er war Juso-Chef, ist Sprecher der Linken in der SPD und als Leiter des Grundsatzreferates in der Senatskanzlei enger Mitarbeiter des Regierenden Bürgermeisters.

Auf unangenehme Fragen reagiert Böhning so wie alle Profi-Politiker. Zu der Debatte um ein neues Kohlekraftwerk in Berlin sagt er etwa, diese Debatte gebe es nicht. Schließlich habe Vattenfall noch keinen formalen Antrag für den Bau eines solchen Kraftwerkes gestellt. Und wenn Vattenfall den Antrag stellt? Über die Zukunft wolle er nicht spekulieren, sagt Böhning.

Parteiinterne Kritiker werfen Böhning daher vor, er sei ein aalglatter Apparatschik, der meist die Positionen seiner Parteiströmung vertrete und kein eigenes Profil habe. Böhning sagt, dass er dazu nichts sagt.

Harald Georgii liegt nicht nur altersmäßig genau zwischen Böhning und Iyidirli. Auch er will im Bundestag "eine laute Stimme sein für die Ideale der Aufklärung, für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität". Er will etwa Arbeitnehmer und Familien entlasten. Georgii arbeitet seit Jahren in der Bundespolitik - als Mitarbeiter in der Parteizentrale oder im Bundestag -, ist aber nicht so bekannt wie Böhning.

Die drei Bewerber werden sich vom 14. Oktober bis 12. November in sechs Veranstaltungen vorstellen - anschließend haben dann die SPD-Mitglieder die Wahl, wen sie ins Rennen schicken. SEBASTIAN HEISER

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