piwik no script img

■ MediaBazaarSFB bleibt unser!

Gegen Revanchisten im SFB: Als „Affront gegen das Demokratieverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ hat die grüne SFB-Rundfunkrätin Alice Ströver die Tatsache bezeichnet, daß der Berliner Sender dem „Ostdeutschen Kulturrat“ (OKR) gratis Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Die überwiegend vom Bundesinnenministerium finanzierte Organisation setzt sich „raumübergreifend“ für die „Pflege und Weiterentwicklung ostdeutscher Kulturleistungen“ ein. Heute veranstaltet der OKR im Kleinen Sendesaal des SFB die Preisverleihung seines „Erzählerwettbewerbs“.

„Ostdeutsch“ heißt nach dem Selbstverständnis des OKR: „die Landschaften jenseits von Oder und Görlitzer Neiße (Ost- und Westpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien), die Sudetenländer und die deutschen Siedlungen in Ost und Südosteuropa“. Das Gebiet der Ex-DDR heißt beim OKR hingegen „Mitteldeutschland“. Präsident des OKR ist der Vertriebenenfunktionär Herbert Hupka, der sich stets für die „Offenhaltung der deutschen Frage“ einsetzte und für seinen Slogan „Schlesien bleibt unser“ heftig kritisiert wurde.

Rundfunkrätin Ströver: „Revanchisten gehören nicht in den SFB. Die Finanzierung der Veranstaltung und die Verantwortlichkeiten sind nicht durchsichtig.“ Wie es in der Einladung des OKR zur Preisverleihung heißt, finde der Wettbewerb „in Verbindung mit dem SFB“ statt. Neben Hupka spricht dort auch der Chef der SFB-Kulturwelle, Wilhelm Matejka. Auf Nachfrage stellte der SFB gestern klar, daß der Sender inhaltlich nichts mit dem OKR-Erzählerwettbewerb zu tun habe. Nachdem zunächst von einem Mietvertrag die Rede war, räumte SFB-Sprecher Strätling später ein, daß dem OKR der Kleine Sendesaal mietfrei gegen Erstattung von Nebenkosten zur Verfügung gestellt werde. Strätling: „Das haben der Hessische Rundfunk und die Deutsche Welle, bei denen der OKR auch zu Gast war, ebenso gehalten.“ Laut OKR-Geschäftsführer Hans-Günther Parplies wird die Preisverleihung schon seit 20 Jahren in Rundfunkhäusern abgehalten: „So können die Erzähler besser Kontakte zu Redakteuren knüpfen.“kotte

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen