■ SCHWERER UNFALL IN ATOMKRAFTWERK BEI ST. PETERSBURG: Russisches AKW setzt Strahlenwolke frei
Berlin (taz) — Atomalarm in Sosnovy Bor: In dem nur 80 Kilometer von St. Petersburg entfernten Atomkraftwerk kam es in der Nacht zum Dienstag im Block Nummer III zu einem folgenschweren Unfall. Mindestens eine Druckröhre mit einem Brennstab war aus bislang ungeklärten Umständen geplatzt. Radioaktivität verseuchte die Reaktorhalle. Um 0.37 Uhr mitteleuropäischer Zeit schaltete sich der Block III des Atomkraftwerks automatisch ab, die unmittelbare Gefahr einer Kernschmelze war gebannt. Eine Strahlenwolke wurde dennoch in die Umwelt abgeblasen — wie viel Radioaktivität sie enthält, war gestern nicht aufzuklären. Fest steht, daß die russischen Grenzwerte, die schon um das zehnfache höher sind als international üblich, noch einmal um das Fünffache überschritten wurden. Die Strahlenwolke trieb zunächst auf die finnische Küste zu, dann drehte der Wind zurück in Richtung Rußland. In Skandinavien, Deutschland und in anderen Staaten wurde bisher kein Ansteigen der Radioaktivität gemessen. Umweltminister Töpfer erklärte zu dem schwersten Reaktorunglück seit Tschernobyl, dieser Reaktortyp sei „nicht nachrüstungsfähig und gehört abgeschaltet“. SEITE 3
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