■ Bücher.klein: Rußlands Kids
Neben der sozialwissenschaftlichen Studie Juri Lewadas über „Die Sowjetmenschen – Soziogramm eines Zerfalls“ (dtv-dokumente 2964, 1993) sei hier nur kurz auf ein Taschenbuch zur russischen Jugend in Selbstzeugnissen verwiesen. Die Jugend scheint Opfer wie Motor der Geschichte, windet sich selbstmitleidig oder kocht vor Zorn – über sich selbst und die verlorene Wut der Punk-Politik-Perestroika- Periode. Fulminant besonders die männlichen Essays über die eigene Identitätsbildung (Prag, Afghanistan, Moskau): „Die Lüge und das Blut (sind) die Hebammen meiner Generation“ (Alexander Balkowski). Texte voller Selbstironie und Sprachwucht, aber auch esoterisch-düstere Lyrik über ein neues Rußland, das die Jugendlichen in die Freiheit schleudert, ohne ihnen eine Wahl zu lassen. AS
„Die enterbte Generation, Russische Jugend nach der Perestroika“, hrsg. von Wolfgang Schlott. Reclam Leipzig, 1994, 200 S., 18 Mark
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