piwik no script img

Rücktritt wegen Estonia

■ Meyer-Werft Papenburg weist jede Schuld an der Fähr-Katastrophe von sich

Stockholm/Hamburg (taz/dpa) – Der Chef der schwedischen Seesicherheitsbehörde, Bengt Erik Stenmark, ist gestern nachmittag zurückgetreten. Eine offizielle Begründung steht noch aus. Beobachter nehmen an, daß Stenmark auf die Vorwürfe der internationalen Kommission reagiert hat, die den Untergang der Fähre „Estonia“ untersucht. Auszüge aus dem Kommissionsbericht sind gestern in der taz und der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter veröffentlicht worden. Danach ist die fehlerhafte Konstruktion der Bugklappe verantwortlich für die Katastrophe, die im vergangenen September etwa 900 Menschen das Leben gekostet hat – eine genaue Passagierliste der Unglücksfahrt existiert nicht.

Stenmarks Behörde, so hat die Kommission festgestellt, verschwieg, daß ein Schwesterschiff der „Estonia“ schon im Jahr 1993 in Seenot geriet, weil sich Teile der Bugklappe im Sturm gelöst hatten. Ohnhein war die Gefahr seit langem bekannt, die von dieser speziellen Konstruktion der Meyer- Werft ausgeht. Die Untersuchungskommission wirft deshalb auch der Erbauerin der „Estonia“ vor, daß sie die Reedereien nicht gewarnt hat.

Die Meyer-Werft hat eine eigene Untersuchungskommission eingesetzt. In einem Radiointerview hat gestern deren Vorsitzender, der Rechtsanwalt Peter Holtappels, festgestellt, „ein bisher unbekanntes, äußeres Ereignis“ habe den Untergang der Fähre ausgelöst. Außerdem, sagt Holtappels, habe der Kapitän bei stürmischer See von vorn die Fahrt nicht gedrosselt. Für diese Erklärungen des Unglücks hat die offizielle Kommission jedoch keinerlei Beweise gefunden. Sie will am Freitag ihren Bericht veröffentlichen. nh

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen