: Rückschlag in Belgrad
■ Milošević zögert mit Anerkennung Bosniens / UN-Druck auf Zagreb
Belgrad/Zagreb (dpa/AFP) – Das „Parlament“ der bosnischen Serben hat einstimmig die Vereinigung mit den Landsleuten in der kroatischen Krajina beschlossen. Heute will sich die Führung der bosnischen und kroatischen Serben treffen. Die kroatischen Serben hatten schon am Wochenende für den Zusammenschluß gestimmt.
Die Friedensbemühungen des Westens erlitten gestern nach ersten erfolgversprechenden Ansätzen einen Rückschlag. Gespräche des US-Vertreters in der internationalen Kontaktgruppe, Robert Frasure, mit Serbiens Präsidenten Milošević über dessen Zustimmung zur völkerrechtlichen Anerkennung von Bosnien-Herzegowina blieben ohne greifbaren Erfolg. Nach Darstellung der unabhängigen Belgrader Agentur Beta hatte Milošević die Anerkennung Bosniens im Tausch für eine weitere Lockerung der UN-Wirtschaftssanktionen gegen Restjugoslawien abgelehnt. Statt dessen habe er die vollständige Aufhebung der UN-Sanktionen verlangt.
Die UN-Menschenrechtskommission will ihre Ermittlungen zu Menschenrechtsverletzungen in Kroatien intensivieren. Das kündigte ihr Sonderberichterstatter Tadeusz Mazowiecki gestern in Zagreb an. Er legte zugleich einen Untersuchungsbericht zu den Vorfällen in Westslawonien vor. Darin kommt die UN-Kommission zu dem Schluß, es sei nicht eindeutig festzustellen, ob die kroatische Armee bei ihrer Offensive in Westslawonien Anfang Mai gezielt auf Zivilisten geschossen habe oder ob diese auf der Flucht in die Schußlinie gerieten. Die kroatische Regierung hatte am Montag mitgeteilt, daß bei der Offensive mindestens 20 Zivilisten ums Leben gekommen seien.
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