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Rotes Lämpchen für Lafontaine

■ Halbwelt-Affaire um Ministerpräsident und Freunde/ CDU: Rücktritt!

Berlin (taz/dpa) – Kaum ist die Pensionsaffaire ausgesessen, gibt es neue sittliche Bedenken gegen Oskar Lafontaine: Innige langjährige Kontakte zur Saarbrücker Unterwelt schreibt heute der Spiegel ihm und Parteifreund Reinhard Klimmt ausführlich zu.

„Wenn die Vorwürfe zutreffen, bahnt sich der größte Politskandal seit Bestehen der BRD an“, tönt erwartungsfroh der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende in Bonn, Johannes Gerster. Die Union fordert vorsorglich schon mal den Rücktritt von Lafontaine und Klimmt.

Die gefährlichen Freunde der beiden heißen Hugo Peter Lacour und Totila Schott. Ersterer ist laut Spiegel ein alter Trinkkumpan von Lafontaine und vereinigt auf seiner Vorstrafenliste so delikate Delikte wie verbotenes Glücksspiel, Betrug, Körperverletzung und bewaffneten Raubüberfall. Als der französische Staatsbürger mit Lebensmittelpunkt in Saarbrücken wegen Verdacht des Mordes an dem Saarbrücker Kaufmann Heinz Weirich, Mitbetreiber eines Eros-Centers, einsaß, gelang ihm im Oktober 1987 eine spektakuläre Flucht nach Frankreich, deren Hintergründe unaufgeklärt blieben. Aus Metz-Queleu schrieb er, rechtskräftig verurteilt, bittende Briefe an den SPD- Fraktionschef Klimmt, die freundlichst beantwortet werden: „Sehr geehrter Herr Lacour, lieber Hugo, ich habe nochmal mit unserem Justizminister über das Schreiben vom 20. August 1989 gesprochen. [...] Er hat mir zugesagt, mich auf dem Laufenden zu halten und mich zu informieren, wenn sich die Sachlage verändert.“ Diese Reaktion kann, so warnend der in Affairen erfahrene Spiegel, „wegen Bruchs des Ermittlungsgeheimnisses oder versuchter Strafvereitelung im Amt auch strafrechtliche Konsequenzen haben“.

Der zweite zwielichtige Freund ist ebenfalls alter Bekannter sowohl Lecours als auch Lafontaines: Der stadtbekannte Schläger und ehemalige Anführer der Rockerbande „Road Gang“, Totila Schott, war von 88 bis Ende 92 für die Gästebetreuung der saarländischen Regierungszentrale zuständig und erhielt als Lafontaines persönlicher Leibwächter ohne Waffenschein und „zum Entsetzen der Polizei“ (Spiegel) eine großkalibrige Pistole und Unterricht im Umgang mit derselben.

Mit der Affaire im Unguten verbunden sind Friedel Läpple und Arno Walter, Innen- und Justizminister im Kabinett des guten Lebens an der Saar: Der eine sorgte für Totila Schotts Sonderausbildung an der Waffe, der andere gab Informationen über ein Ermittlungsverfahren heraus. Die saarländische Landesregierung lehnte eine Stellungnahme ab: Die Vorwürfe seien „zu absurd“. ES

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