■ Das Portrait: Rosario Ibarra
Symbolfigur der mexikanischen Linken Foto: Juan Ramón
Mit Filmstar Maria Felix hat sie nur den Ehrentitel gemein: auch Rosario Ibarra ist die Doña, allerdings nicht als mexikanische Leinwandqueen, sondern als Galionsfigur der radikalen Linken. Nicht zufällig vertraute Guerilla-Sprecher Marcos ausgerechnet der zartgliedrigen 67jährigen feierlich die Nationalflagge an, als vor drei Monaten im lacandonischen Regenwald die Nationale Demokratische Konvention (CND) ins Leben gerufen wurde. Als frischgekürte Präsidentin der CND rückte sie wieder ins Scheinwerferlicht – aber schon seit 20 Jahren gehört sie fest zur politischen Landschaft Mexikos.
Dabei führte Rosario Ibarra bis Mitte der siebziger Jahre ein recht beschauliches Leben. Die Tocher aus liberalem Elternhaus hatte sich früh mit einem wohlhabenden Arzt verheiratet und widmete sich vorwiegend dem Haushalt und ihrem Sohn Jesús.
Der 18. April 1975 bringt die Wende: Der 21jährige Medizinstudent wird als mutmaßlicher Guerillero von Uniformierten entführt. Als ihr Sohn auch nach Wochen nicht wieder auftaucht, macht sich Rosario auf die Suche. Sie zieht durch Gefängnisse, Kasernen, Behörden und Krankenhäuser – vergeblich. Bei ihren Nachforschungen aber trifft sie auf andere Mütter. 1977 gründen sie das „Komitee zur Verteidigung der politischen Gefangenen und Verfolgten“, dessen Vorsitzende Rosario bis heute ist. Sie organisiert spektakuläre Hungerstreiks, Kundgebungen und Demonstrationen. Zwar haben die Frauen des Komitees inzwischen fast 150 ihrer Kinder freibekommen – ihren eigenen Sohn aber hat Rosario nicht finden können.
Von der Hausfrau über die Menschenrechtlerin wird Rosario Präsidentschaftskandidatin. Von der trotzkistischen PRT läßt sich die parteilose Autodidaktin 1982 für das höchste Amt im Staate nominieren – als erste Frau in der Geschichte Mexikos. Ihre Kandidatur wird weit über die trotzkistischen Parteigrenzen hinaus unterstützt, auch Frauen- und Schwulengruppen sehen in ihr ein Symbol der Rebellion.
Auch 1988 kandidierte sie wieder für die PRT, erkannte dann aber den Kandidaten der gemäßigt linken PRD als Wahlsieger an – der nach Meinung vieler damals vom PRI-Kandidaten Salinas de Gortari um den Wahlsieg betrogen wurde. Bei den Wahlen im August dieses Jahres wurde die unermüdliche Doña als Abgeordnete der PRD ins Parlament gewählt. Anne Huffschmid
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