piwik no script img

Rest & Resilience Fellowship 2026 Schutz und neue Kraft schenken

Über 220 Jour­na­lis­t:in­nen haben sich für das Auszeitstipendium „Rest & Resilience“ beworben. Die Zahl zeigt, wie dringend sichere Zufluchtsorte weltweit für bedrohte Kolleg:innen gebraucht werden.

Sie habe das Gefühl, dass ihr Körper frei sei, aber ihre Seele „ganz und gar nicht“, sagt die Journalistin aus Myanmar. „Ich habe viele tragische Situationen gesehen und immer wieder erlebt, wie im Gefängnis die Menschenrechte verletzt wurden. Das verfolgt mich wie ein Schatten, sogar jetzt in der Freiheit.“

Sie möchte ihren Namen nicht nennen, nicht ihr Alter, auch nicht die Medien, für die sie gearbeitet hat. Zu groß ist die Angst vor weiteren Repressalien – gegen sie selbst oder gegen ihre Familie in Myanmar.

Heute lebt sie vorübergehend in Sicherheit in Berlin. Sie ist Gast des Auszeit-Programms der taz panterstiftung „Rest & Resilience“. Seit 2015 bietet das Programm jedes Jahr zwei bis drei bedrohten Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt einen Schutzraum, ein Refugium. Sie erhalten sechs Monate Zeit, um sich zu erholen, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen.

In immer mehr Ländern geraten Journalistinnen und Journalisten unter Druck, weil Machthaber, Rebellengruppen oder kriminelle Netzwerke unabhängige Bericht­erstattung fürchten. Sie werden bedroht, erpresst, entführt oder inhaftiert. Im schlimmsten Fall werden sie getötet.

Myanmar ist besonders gefährlich

Myanmar gehört zu den Ländern, in denen unabhängiger Journalismus besonders gefährlich geworden ist. Kurz nach dem Militärputsch im Jahr 2021 wurde auch unsere Kollegin verhaftet. Die Generäle hatten die demokratisch gewählte Regierung entmachtet und zahlreiche Politikerinnen und Politiker der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) ins Gefängnis geworfen. Auch die Journalistin wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Vorwürfe lauteten „Aufstachelung zum Hass gegen die Streitkräfte“ und „Verstoß gegen das Versammlungsverbot“. Nichts davon entsprach der Wahrheit.

Fortan lebte sie in einer Zelle mit 170 Mithäftlingen, die sich zwei Toi­letten teilen mussten. Insgesamt hatte sie nur knapp einen halben Meter Platz für sich. Heute ist sie wieder frei. Doch die Erinnerungen bleiben: „Die Bilder meiner Kolleginnen und Kollegen und der anderen politischen Gefangenen im Gefängnis machen mich unendlich traurig“, sagt sie. „Sie nehmen mir buchstäblich den Atem.“ Gerade deshalb sind Möglichkeiten wie das Auszeit-Programm so wichtig.

Eigentlich sollte in diesen Tagen auch eine weitere Journalistin aus Afrika unser Gast sein. Doch die Mühlen der deutschen Einreisebehörden mahlen derzeit sehr langsam. Wir hoffen stark und bleiben optimistisch, dass sie in den kommenden Wochen ihr Visum erhält und ihr Auszeit-Stipendium in Berlin antreten kann.

Auszeit-Stipendium existiert seit 2015

In Berlin erhalten die Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Wohnung, finanzielle Unterstützung, die Möglichkeit zum Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Weiterbildungen sowie – wenn nötig – medizinische und psychologische Hilfe.

Für das Auszeit-Stipendium kamen seit 2015 die Sti­pen­dia­t:in­nen aus unterschiedlichen Regionen der Welt, in denen Pressefreiheit eingeschränkt ist. Vertreten waren unter anderem Jour­na­lis­t:in­nen aus Indien und Pakistan (2023), Iran und Ägypten (2024) sowie Belarus, Mexiko und Venezuela (2025). Die Vielfalt der Herkunftsländer verdeutlicht den globalen Anspruch des Stipendien­programms, Jour­na­lis­t:in­nen aus autoritären Staaten und Krisenregionen eine vor­übergehende Auszeit, Weiterbildung und internationale Vernetzung zu ermöglichen.

Damit wir auch künftig verfolgten Jour­na­lis­t:in­nen Schutz und eine Atempause ermöglichen können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Mit Ihrer Spende finanzieren Sie konkrete Hilfe: einen sicheren Ort, Zeit zur Erholung und die Chance auf einen Neuanfang für Menschen, die wegen ihrer journalistischen Arbeit verfolgt wurden.

Bitte helfen Sie uns, bedrohten Journalistinnen und Journalisten eine Auszeit zu ermöglichen – damit sie nicht verstummen. Ob klein oder groß, jede Spende zählt.