: „Renitente nehmen wir nicht mit“
■ Oliver Will von der Pilotenvereinigung „Cockpit“ in Frankfurt am Main zur Praxis von Ausländer-Abschiebungen per Flugzeug
taz: Wie ist denn das Procedere beim zwangsweisen Rücktransport von abgelehnten Asylbewerbern in ihr Heimatland? Kommen Rücktransporte eigentlich sehr oft vor?
Oliver Will: Nein, in den zehn Jahren, die ich auf allen Strecken fliege, hatte ich das erst fünfmal. Wir werden dann vom BGS informiert.
Meist fliegt da wenigstens ein Beamter mit, der kommt kurz ins Cockpit. Dann schaue ich mir den Passagier nicht mal an, der fliegt einfach nach Hause.
Waren die Leute renitent?
Nein. Dann nehmen wir sie erst gar nicht mit. Da gab es in jüngster Zeit mehrere Fälle. Entweder jemand ist lammfromm, oder er bleibt draußen. Wenn es unterwegs Ärger gibt, kann auch zwischengelandet werden. Dann bleibt der eben in Kanada auf der Wiese stehen.
Wir möchten nicht, daß unsere Passagiere belästigt werden oder die Flugsicherheit gefährdet ist. Das ist ja einfach nicht so toll, wenn die Fluggäste ein paar tausend Mark bezahlt haben, und nebendran sitzt einer in Handschellen an den Sitz gekettet und schreit die ganze Zeit Zeter und Mordio. Da sollte die Bundesregierung besser auf ein Schiff zurückgreifen oder ein Sonderflugzeug chartern. Jemand, der immer wieder beim Abflug randaliert, hat jedenfalls gute Chancen, nicht abgeschoben zu werden.
Es gibt Gerüchte, daß Fluggesellschaften darauf bestehen, daß solche unfreiwilligen Passagiere ruhiggestellt werden.
Das kann ich verstehen. Aber ich kann Ihnen versichern, daß wir das auf gar keinen Fall tun. Das ist völlig ausgeschlossen. Wir sind da wirklich rigoros. Entweder der ist lammbrav, oder er kommt nicht mit. Auch während des Fluges wird bestimmt niemand mit K.O.- Schlag oder Medikamenten ruhiggestellt oder geknebelt. Meist wirkt die Drohung, jemanden auf dem nächsten, fremden Flughafen rauszusetzen.
Verabreicht der Bundesgrenzschutz K.O.-Medikamente?
Das glaube ich nicht. Das wäre ja illegal.
Das Interview führte Heide Platen
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