: Regierung will sich nicht von Konzernen erpressen lassen
■ Bei der Steuerreform angeblich keine weiteren Zugeständnisse an Versicherungen und AKW-Betreiber geplant
Bonn (taz/rtr) – Unternehmen und private Steuerzahler werden durch die Steuerreform in der dritten Stufe im Jahr 2002 möglicherweise um mehr als 20 Milliarden Mark entlastet. „Es kann noch mehr werden“, sagte der SPD-Finanzexperte Joachim Poß am Rande der abschließenden Beratungen des Bundestags-Finanzausschusses am Montag. Am Wochenende hatte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel, bereits erklärt, die ursprünglich angestrebte Nettoentlastung von 15,4 Milliarden Mark werde um gut 5 Milliarden Mark übertroffen werden.
Hintergrund der Erhöhung sind letzte Korrekturen am Entwurf des Steuerentlastungsgesetzes, das am Donnerstag in den Bundestag eingebracht werden soll. Unter anderem waren Nachbesserungen für den Mittelstand und bei der Auflösung der stillen Reserven und deren Verteilung, die vor allem die Versicherungs- und Energiewirtschaft betreffen, aufgenommen worden. Weitere Zugeständnisse soll es nun trotz des anhaltenden Protests und der Warnungen der Branche, daß Arbeitsplätze abgebaut würden, nicht geben. Die Drohungen seien unglaubwürdig, die Kritik entbehre jeder Begründung, erklärte Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine. Steuernzahlen sei schließlich kein „verwerflicher Tatbestand“.
Der FDP-Steuerpolitiker Carl-Ludwig Thiele sagte dagegen, die rot-grüne Mehrheit gehe auf keine sachliche Diskussion über die „verheerenden Auswirkungen auf Investitionen und Arbeitsplätze“ ein. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sprach von einem „Abkassiergesetz für Bürger und Wirtschaft“. Tagesthema Seite 3
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen