: Reggae - Die Welt der Ekstase
■ Eek-a-Mouse, Reggae-Sänger aus Jamaica, singt Reggae und Jamaica und faßt sich an die Hose
Was soll man schon erwarten? Angekündigt ist der Al Jarreau des Reggae und immerhin stimmt davon die Hälfte. Reggae, diese Musik mit den rot-grün-gelb-gestreiften Schals, mit dem gedehnten J-a-m-a-i-c-a auf der Zunge, die Musik, wo der gekaufte Studiodrummer gelangweilt kaut, der Bassist lässig hinter dem Beat herschlendert und nach den 16 Einleitungstakten, die ein neues Stück vom letzten unterscheiden, Gitarre und Key board stoisch die Synkopen betonen und in ihrer Mitte ein Sänger brav hüpft und gelegentlich die Hand in die Nähe seiner Leibesmitte legt, die er obendrein mit hübschen Nietengürteln ins Zentrum allen Interesses rückt. Reggae die Musik zur Ehre Haile Selassies, des Negus, Kaiser der Äthiopier und endlich tot das Schwein, nur, daß sich der findige Eek-a-Mouse, (oh die Wortspiele, die sich anbieten!) daß er sich ausgedacht hat, seinen Gesang Sprechgesang zu nennen und sich so richtige kleine Reggaemelodien ausdenken erspart. Kein Al Jarreau also, aber Reggae - die Ankündigung immerhin die halbe
Wahrheit.
Das Publikum im gut besuchten Modernes weiß Bescheid: der Nachbar mit den Perlen in den Zöpfen und dem Joint in der Fluppe kommt so richtig in Wallung, man tanzt, selbst die Männer schwanken von einem Bein auf das nächste. Richtige Ekstase ist das, jawoll, das kannst du, alter Rezensentenignorant, ruhig mal zur Kenntnis nehmen. Richtige Ekstase, eine ganze Monatsration wieder flink an einem Abend, mit dem richtigen Stoff im Kopf. Wohl gibt es auch die starr blickenden Mienen, die sich zu langweilen scheinen, doch bleiben sie im Hintergrund und warum sind sie eigentlich hier? Es zwingt sie doch keine.
Die allgemeine Verschwisterung, von Meister Eek-a-Mouse geschickt inszeniert, vereint den restlichen Saal: Wir sind alle kleine Rastamanvibrationyeah und wir singen im Chor, was Du willst, Eek-a-Mouse, Magier dieses Nebels, wir singen, was Du willst und wann Du willst, und wenn Du schließlich gehst, dann singen wir immer weiter, moremoremore. Halleluja.
step
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen