Rechtsradikale in den USA: Amerikas wahre Verteidiger der Freiheit

In Gravelly Point am Ufer des Potomac, unmittelbar vor Washington D.C., demonstrieren die Gegner von Barack Obama - schwer bewaffnet - gegen die "Tyrannei".

Für manchen Amerikaner ein unverzichtbares Grundrecht: Der Waffenbesitz. Bild: dpa

Washington taz | "Sie sind Terroristen. Keine Patrioten" steht schwarz auf gelb auf dem Schild, das die blonde Frau über die Wiese am Ufer des Potomac trägt. Sie ist allein unter Männern. Die anderen sind mit Feuerwaffen zu der Demonstration am Gravelly Point gekommen. Sie tragen Pistolen am Gurt und Gewehre über der Schulter. Auf der anderen Seite des Flusses liegt Washington D.C. - die Hauptstadt. Das Kapitol und der Obelisk sind zum Greifen nah. Von der Ladefläche eines Pickup wirft Bob Wright den gewählten Politikern seines Landes "Tyrannei" vor, nennt sie "unamerikanisch" und droht unverhohlen: "Sie treiben uns zum Bürgerkrieg." Die bewaffneten Männer zu seinen Füßen applaudieren.

Gravelly Point im Bundesstaat Virginia ist der nächstgelegene Ort am Rand der US-Hauptstadt, an dem das Waffentragen erlaubt ist. Deshalb haben die Männer diese Wiese für ihre Demonstration gewählt. Auch das Datum ist symbolträchtig: Am 19. April des Jahres 1995 hat Timothy McVeil in Oklahoma mit einer Autobombe 168 Menschen getötet und 450 verletzt. Auch der später hingerichtete McVeil kämpfte gegen die "Tyrannei". Die Demonstranten am Gravelly Point bestreiten, dass sie den Termin wegen des Oklahoma-Attentats gewählt haben. Sie berufen sich auf ein anderes - konsensfähiges - Ereignis aus der amerikanischen Geschichte: die Schlacht vom Lexington. Sie löste am 17. April 1775 den Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten aus.

Die Demonstranten am Flussufer sind nicht zahlreich. Nur rund 75 Männer sind gekommen. Manche sind aus weit entfernten Bundesstaaten angereist. Sie verstehen sich als eine Vorhut, die dem Rest des Landes den Weg weist, und behaupten von sich selbst, dass sie die wahren Verteidiger der in der Verfassung garantierten Freiheiten der USA seien. "Es sind kleine, entschlossene Minderheiten, die Geschichte machen", erklärt Mike Vanderboegh und fährt fort: "Das war so im Unabhängigkeitskrieg, bei Stalin und bei Hitler." Der 57-jährige frühere Milizionär aus dem Bundesstaat Alabama ist einer der Ideologen der Bewegung. Nach der Gesundheitsreform hat Vanderboegh Anfang dieses Jahres auf seiner Homepage dazu aufgerufen, den Demokraten "Backsteine" ins Fenster zu werfen. Zahlreiche gewählte Politiker erhielten in den Folgetagen Todesdrohungen.

Die Demonstranten stammen aus der Mitte der Gesellschaft. Unter ihnen sind Handwerker, Ingenieure und auch der Augenarzt Robert Johnston aus dem Bundesstaat New York. Er schwenkt eine gelbe Fahne mit dem Spruch: "Trampelt nicht auf uns herum". Und ist mit einer 357 Magnum und einem 7-Millimeter-Gewehr gekommen. "Natürlich ist Munition in der Pistole", sagt er, "was nutzt eine Waffe, wenn sie nicht geladen ist?" Der Grund für sein Waffentragen ist so politisch wie die ganze Demonstration. "Ich trage Waffen, um mich gegen die Tyrannei zu verteidigen", sagt er.

Der andere Teil der Bewegung trifft sich am selben Tag, zur selben Zeit auf der Mall - in Rufweite vom Weißen Haus entfernt. Dort sind rund 2.000 Leute versammelt, die für dieselben Rechte kämpfen. Einziger Unterschied: Sie sind ohne Waffen angereist, weil sie sonst nicht in die Hauptstadt kommen.

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