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Rechter unter Mordverdacht

■ Golfkriegsveteran soll Bombenanschlag auf Bundesgebäude in Oklahoma City verübt haben

Oklahoma City (taz) – Alle Fragen des Richters beantwortete er mit einem knappen „Yes, Sir“ oder „No, Sir“. Korrekt und höflich habe er sich seit seiner Festnahme verhalten, berichten Polizisten. Nichts scheint Timothy McVeigh auf den ersten Blick von Millionen seiner Landsleute zu unterscheiden – und genau das steigert in Oklahoma City den Schock über den verheerenden Bombenanschlag am letzten Mittwoch noch einmal. Nach Angaben des FBI handelt es sich bei dem 27jährigen Golfkriegsveteranen um einen von zwei Männern, die wenige Tage vor der Explosion einen Kleinlaster angemietet und mit Sprengstoff beladen haben, um ihn am Mittwoch vor einem Bundesgebäude in Oklahoma City zu parken und per Fernzündung zur Explosion zu bringen. 78 Menschen wurden bislang tot aus den Trümmern geborgen, 150 werden noch vermißt. Nach dem zweiten Tatverdächtigen wird landesweit gefahndet.

Ähnlich wie im Fall des Bombenattentats auf das World Trade Center kam der Polizei auch dieses Mal enormes Glück zu Hilfe: McVeigh wurde bereits 90 Minuten nach der Explosion von der Autobahnpolizei etwa 90 Kilometer von Oklahoma City entfernt gestoppt, weil sein Wagen keine Nummernschilder aufwies. Zwei Tage saß er im Gefängnis der Kleinstadt Perry ein, ohne daß ihn irgend jemand mit dem Bombenanschlag in Verbindung gebracht hätte. Kurz bevor er auf Kaution entlassen worden wäre, dämmerte dem FBI, wer da in der Zelle saß.

McVeigh soll nach Polizeiangaben in den letzten Jahren durch extreme rechtsradikale Rhetorik aufgefallen sein. Er stand in Kontakt mit James und Terry Nichols, zwei Brüdern, die mittlerweile ebenfalls in Haft sind, jedoch als Zeugen bezeichnet werden. Die beiden Nichols- Brüder hatten Kontakte zur „Michigan Militia“, einer paramilitärischen Gruppe im US-Bundesstaat Michigan. Nach Ansicht dieser Gruppe handelt es sich bei der US-Bundesregierung um eine „feindliche Macht“, die notfalls mit Waffengewalt zu bekämpfen sei. Andrea Böhm

Tagesthema Seite 3

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