piwik no script img

Rechter Spuk im Radio

■ WDR-„Morgenmagazin“ sendet Nachrichten aus dem rechtsextremen Sumpf im Siegerland

Düsseldorf (taz) – WDR-HörerInnen im Hochsauerlandkreis trauten gestern ihren Ohren nicht. Was da während der „Morgenmagazin“-Sendung aus dem Äther drang, klang wie rechtsradikale Propaganda pur, gleich dreimal im Rahmen der Regionalnachrichten vom Studio Siegen verbreitet. Um 6.30 Uhr hörte sich das so an: „Ein Begegnungszentrum für nationale Bürger und Jugendliche plant ein sogenanntes Aktionsbündnis Nationaler Widerstand. Wie aus einer Presseerklärung der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei Olpe hervorgeht, haben sich in Südwestfalen alle nationalen Parteien, Vereine sowie Freundeskreise zu diesem Aktionsbündnis zusammengeschlossen. Neben der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands aus Siegen, Olpe und dem Hochsauerlandkreis wird das Bündnis beispielsweise auch von der Deutschen Liga für Volk und Heimat Siegerland getragen. Das Bündnis kündigt für die nächste Zeit einige spektakuläre Aktionen an.“ Um 7.30 Uhr wird die Meldung fast gleichlautend erneut verbreitet. Um 8.30 Uhr gibt es dann diese Version: „Spektakuläre Aktionen hat das Bündnis Nationaler Widerstand angekündigt. Zu dem Aktionsbündnis haben sich 16 – zum Teil rechtsradikale – Parteien sowie sogenannte nationale Vereine und Freundeskreise aus Südwestfalen zusammengeschlossen. Darunter die Nationaldemokratische Partei Deutschlands aus Siegen, Olpe und dem Hochsauerlandkreis und die Deutsche Liga für Volk und Heimat Siegerland.“ Was das Siegener WDR-Team sich dabei gedacht hat, war gestern nicht zu erfahren. Ein Maulkorb der WDR-Führungsspitze hinderte sie. Auch von der war nichts Erhellendes zu erfahren. Die Meldung, so erklärte die Kölner Pressestelle, habe „zu sofortigen Recherchen des Studios Siegen geführt, was allerdings in der ausgestrahlten Nachricht nicht deutlich genug herauskam. Insofern war die Meldung mißverständlich formuliert.“ Walter Jakobs

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen