Rebellion in der Radsportwelt: Konferenz der Empörten

In London gründet sich eine Bewegung, die den Radsportweltverband reformieren und dessen Präsidenten stürzen will. Als Gegenkandidat steht Greg Lemond bereit.

Ein Bild aus besseren Tagen: Pat McQuaid (mit Pistole) im Kreise seiner Schäfchen, darunter Alberto Contador. Bild: dpa

LONDON taz | Sind die Tage gezählt für Pat McQuaid? Auf der Gründungskonferenz von „Change Cycling Now“ am Sonntag und Montag in London war eines allen ganz klar: Pat McQuaid muss weg. Dem UCI-Präsidenten warf schon der Initiator der Plattform, der australische Sportbekleidungshersteller und Radsportsponsor Jaimie Fuller, eine schlechte Geschäftsführung vor.

Jörg Jaksche, Mitglied von CCN, wie sich das Netzwerk schon nennt, legte gegenüber der taz nach. „McQuaid ist für mich untragbar. Es kann nicht sein, dass ein Präsident noch im Amt ist, während eine von ihm selbst eingesetzte Kommission untersucht, ob er Schmiergeld angenommen hat. Das geht in keinem Rechtsstaat“, meinte der frühere Radprofi.

Eine Untersuchung, die die Vertuschungs- und Bestechlichkeitsvorwürfe gegenüber McQuaid überprüfen soll, ist tatsächlich im Gange. John Coates, Präsident des Sportgerichtshofes CAS, bestimmte die drei Mitglieder. Sein Renommee soll das Ansehen der Kommission stärken. Bleibt nur zu hoffen, dass deren Aufklärungsarbeit dem Ansehen des ehrenwerten John Coates keine Dellen verleiht. Untersuchungskommissionen bei der UCI pflegten bislang nur Papier, aber wenig Konsequenzen zu produzieren.

Daher soll auch Hein Verbruggen, ein altgedienter Strippenzieher im Sportgeschäft, seiner Würden als Ehrenpräsident der UCI auf Lebenszeit enthoben werden. Verbruggen galt in seiner Zeit als UCI-Präsident als Schutzschild für Armstrong. „Hein macht das schon“, soll Armstrong Teamkollegen anlässlich einer positiven Probe erklärt haben. Dopingkontrollen, selbst wenn sie Dopingmittel nachwiesen, führten niemals zu einem offiziellen Verfahren gegen den Amerikaner.

Die Delegierten entscheiden

McQuaid loszuwerden ist aber gar nicht so einfach. Laut den Statuten der UCI bestimmen die 42 Delegierten des Rates auf einer Vollversammlung den Präsidenten. Die Delegierten werden von den einzelnen Verbänden entsandt. Von diesen hat bislang jedoch kein einziger Sympathie für die Seiteneinsteiger von CCN signalisiert. Jörg Jaksche ist dennoch durchaus optimistisch und glaubt, dass sich durch öffentlichen Druck etwas bewegen lässt.

Als Kandidat für eine Übergangspräsidentschaft bis zu den regulären Wahlen im nächsten Jahr hat sich derweil Greg Lemond ins Gespräch gebracht. „Ja, ich bin bereit dafür. Wir wollen den Radsport ändern. So eine Gelegenheit wie jetzt wird es so schnell nicht mehr geben“, sagte er. McQuaid empfahl er: „Wenn er den Radsport so liebt, wie er sagt, dann sollte er zugeben: Ich habe meine Fehler gemacht, aber jetzt trete ich zurück.“

Davon will der Ire aber nichts wissen. UCI-Sprecher Enrico Carpani sagte auf Nachfrage der taz: „Wir sagen dazu nichts. Wir antworten mit Sicherheit nicht auf Greg Lemond. Wir setzen unsere Arbeit fort. Wir haben jetzt diese Untersuchungskommission.“ Zum Vorschlag, die Dopingkontrollen unabhängig von der UCI zu organisieren, meinte Carpani nur: „Das ist eine alte Sache. Wir machen weiter so wie bisher.“

Genau das befürchten die Erneuerer aus London. Neben dem Griff nach der Macht zeichnen sie sich freilich auch durch einige konstruktive Gedanken aus. Die beste Idee ist sicherlich die Einrichtung einer Wahrheitskommission. „Wir müssen Bedingungen schaffen, dass die Fahrer reden, dass sie auspacken, wer sie mit Dopingmitteln versorgt. Bislang sind die Fahrer die Sündenböcke. Sie sind aber nur die Letzten in der Versorgungskette, sie sind die Kokser, nicht die Dealer“, meinte Jörg Jaksche. Man müsse den Fahrern entgegenkommen. „Wer gedopt hat, gehört bestraft. Aber man soll ihm nicht die Arbeitsgrundlage entziehen.“

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