: Rebellen-Oberst in Militärhaft
■ Die meisten argentinischen Meuterer haben Waffen abgegeben / Widerstand nicht gebrochen
Buenos Aires (dpa) - Der Rebellen-Oberst Mohamed Ali Seineldin, der in Argentinien an der Spitze einer dreitägigen Meuterei stand, ist am Dienstag in militärisches Gewahrsam genommen worden. Dies sagte ein Offizier der Garnison Villa Martelli bei Buenos Aires, in die sich Seineldin mit dem Rest der an der Revolte beteiligten Soldaten geflüchtet hatte. Seineldin erklärte kurz vor seiner Festnahme in einem Interview, daß er mit der Führung des Heeres nur deswegen ein Abkommen zum Ende der Aktionen erzielt habe, um ein Blutvergießen zu vermeiden. In keinem Falle habe er aufgegeben.
Diese Behauptungen nährten weiter die Gerüchte, daß der Rebellen-Offizier und die Spitze des Heeres eine Übereinkunft erreichten, von der die Regierung unter Umständen keine Kenntnis hat. Die Meuterer hatten als Hauptforderung ein Amnestie-Gesetz für alle der Menschenrechtsverletzungen beschuldigten Soldaten zur Wiederherstellung ihrer „Ehre und Würde“ verlangt. Am Montag abend wurde Seineldin nach Presseberichten ein zweistündiges Gespräch mit General Isidoro Caceres gewährt, dessen Name inzwischen als möglicher Nachfolger des Heeres -Generalstabschefs Dante Caridi genannt wird. Demgegenüber versicherte Verteidigungsminister Horacio Jaunarena, Caridi werde nicht abgelöst.
Die Meuterer haben inzwischen freiwillig ihre Waffen abgegeben. Die Revolte scheint jedoch noch nicht in allen Heeres-Einheiten beigelegt zu sein. In Mercedes, rund 100 Kilometer westlich von Buenos Aires, weigert sich ein Major aufzugeben, der sich selbst zum Kommandeur des 6.Regiments ernannt hat. Nach Berichten nationaler argentinischer Nachrichten-Agenturen hat die Regierung des mittelamerikanischen Staates Panama Seineldin politisches Exil angeboten.
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