: Real existierende Wohnungsnot durch verfehlte Politik
■ betr.: „Altbauten werden immer teurer“, „Zerrspiegel bei Mieten“, taz vom 31.5.94
Die anläßlich der Bekanntgabe des Berliner Mietspiegels 1994 genannten Erhöhungen von bis zu 58 Prozent können noch eindrucksvoll ergänzt werden.
In dem vom Wohnungsspekulanten Bendzko umgewandelten Corbusierhaus mit seinen ehemals 530 Sozialwohnungen ist die Miete nach vorzeitiger Ablösung der öffentlichen Mittel seit dem 1.1.88 um 120 Prozent gestiegen. Viele Mieter sind wegen der Unbezahlbarkeit ihrer Miete und ihrer unsicheren Lage (Eigenbedarf o.ä.) bereits ausgezogen. Die nächste zulässige Erhöhung am 1.1.94 wird dann fast eine Verdreifachung der Miete vom 31.12.87 bedeuten. Was das für die Mieter bedeutet, dürfte vorstellbar sein, auch daß das Corbusierhaus kein Einzelfall sein dürfte.
Diese Beispiele zeigen ein großes Dilemma deutscher „sozialer“ Marktwirtschaft auf. Marktwirtschaft geht üblicherweise von Ausgewogenheit aus, die entweder besteht oder von Anbietern im eigenen Marktinteresse zwangsläufig hergestellt wird. Dies hat im deutschen Wohnungsbau im letzten Jahrzehnt nicht funktioniert, da die politisch Verantwortlichen Situationen schöngeredet haben, anstatt verantwortungsbewußt zu handeln. So wie der real existierende Sozialismus in der DDR versagt hat, versagte in den alten Bundesländern die Wohnungspolitik: Es gibt eine real existierende Wohnungsnot durch verfehlte Politik.
Dieser Wohnungsmangel verbunden mit den Gesetzen der freien Marktwirtschaft führt zu den oben geschilderten Ergebnissen. Wer hier die Gewinner und wer die Verlierer dieser Politik sind, ist überdeutlich. Noch deutlicher wird es, wenn man einen Tag später von einer Vervierfachung der Mietschulden und Zwangsräumungen in Berlin liest. Die Zusammenhänge liegen hier klar auf der Hand.
Ich hoffe, daß die Betroffenen (sich) das merken und die Verursacher am 16.10.1994 durch das Kreuz an der richtigen Stelle in die Wüste schicken! Otto Figen,
Bezirksgruppe Charlottenburg
im Berliner Mieterverein e.V.
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