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■ RadiodaysMittwoch

Aus purem Egoismus verüble ich meinen oft zu früh verstorbenen Vorbildern, daß sie nicht gesünder gelebt haben. Jean Renoir zum Beispiel: Vom Dickicht der Großstädte ausgezehrt, segnete er im zarten Alter von fünfundachtzig Jahren das Zeitliche, und kann so morgen seinen Hundertsten nicht mitfeiern. Renoirs Vorbildlichkeit liegt für mich zum einen in seiner fast schon unverschämten Vitalität. Zum anderen in seiner unerschöpflichen Erfindungskraft, seiner Kunst, schon oft gesehenes durch seinen frischen Blick zu beleben. Sein unermüdliches Anfilmen gegen Sehklischees analysierte der scharfäugige Kritiker André Bazin als Renoirs Fähigkeit, eine Szene erst zur Wiedererkennung entstehen zu lassen, um sie dann kurz vor der einsetzenden „Rezeptionssattheit“ einfach abzubrechen: „Plötzlich, plötzlich ist es ein Degas – aber schon kommt die nächste Szene.“ Auch meint Bazin, Jean Renoirs Genie sei (leider) nicht aus unserer Zeit – doch Ralph Eue wird es für ein halbes Stündlein in seinem Feature wieder heraufbeschwören: La Grande Illusion, 19.30 Uhr, SFB 3. GeHa

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