RADIOAKTIVER FUND: Prenzlauer Berg verliert Strahlkraft

Ein kleines Kontrollgerät war die Ursache der Strahlung in der Stargarder Straße. Woher es stammt, wird jetzt untersucht. Sicher ist: Es ist 20 Jahre alt.

Hier knistert's: Geigerzähler, auf den Fundort in der Stargarder Straße gerichtet Bild: dpa

Die Quelle der radioaktiven Strahlung in Prenzlauer Berg ist gefunden: Bei Grabungen unter der Stargarder Straße fand sich ein Strahlengerät von der Größe einer Zigarette, wie es etwa in der Industrie eingesetzt wird. Es emittiert an einem der beiden Enden ein punktgenaues Bündel Gammastrahlen. Die Strahlung liegt nach Angaben von Robert Rath, Sprecher Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, bei 10 Millisievert pro Stunde. Das entspricht in etwa dem 100.000-fachen Wert der natürlichen Strahlung, die überall vorkommt. Wie das Strahlengerät in den Boden kam, ist unklar. Die Abteilung für Umweltkriminalität im Landeskriminalamt ermittelt wegen des Verdachts der unerlaubten Abfallbeseitigung.

Es habe keine Gefahr für Passanten oder Anwohner gegeben, erläutert Rath. Denn es handele sich nur um einen Bruchteil der Strahlung, der viele Menschen im Beruf ausgesetzt seien. Um die maximal erlaubte Jahresdosis etwa für Röntgenärzte zu erhalten, hätte man 100 Stunden lang exakt über der Strahlenquelle stehen müssen, so Rath.

Das Deutsche Rote Kreuz hatte am Sonntag bei der Übungsfahrt mit einem Messwagen zufällig entdeckt, dass die Straße auf einer Fläche von wenigen Quadratzentimetern strahlte. Die Stelle wurde zunächst mit Metallplatten abgedeckt, am Montag hatte dann ein Spezialteam die Fahrbahndecke aufgebrochen und die Fundstelle untersucht. Die Straße wurde an dieser Stelle zuletzt vor 20 Jahren geöffnet - mindestens so lange muss es an dieser Stelle bereits gestrahlt haben, ohne dass es bisher aufgefallen ist.

Cäsium 137 machte 1986 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zweifelhafte Karriere. Damals geriet der radioaktive Stoff in großen Mengen in die Umwelt. Natürliches Cäsium ist ein goldglänzendes, sehr weiches Metall. Sein radioaktiver Verwandter Cäsium 137 entsteht als Spaltprodukt in Atomkraftwerken.

Es kann über Abluft oder Abwasser aus den Anlagen gelangen und wird dann direkt oder über die Wurzeln von Pflanzen aufgenommen. So kommt es auch in Milch, Fleisch und Fisch vor. Höhere Konzentrationen können die Nieren des Menschen schädigen. (dpa)

Solche Strahlengeräte wie das jetzt gefundene werden unter anderem in der Industrie eingesetzt, erläutert Rath. Das Gerät besteht aus einem Kern, der Cäsium 137 abstrahlt, und einer Ummantelung aus Metall. Das Metall schirmt die Strahlung ab, so dass sie nur über eine Öffnung an einer Stelle austritt. Wenn man das Strahlenbündel auf ein geschlossenes Gefäß richtet, kann man messen, wie viele der Strahlen auf der anderen Seite wieder austreten. Dort, wo das Gefäß gefüllt ist, werden weniger Strahlen durchgelassen - auf diese Weise kann man das Gerät zum Beispiel als Füllstandsmesser verwenden.

Das Fundstück wird inzwischen in der zentralen Sammelstelle des Landes für radioaktiven Abfall beim Helmholtz-Zentrum untersucht. Dabei könnten sich Hinweise finden, wann das Gerät produziert wurde und von wem es eingesetzt wurde.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben