■ Querrille: Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys
Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys:
„Meine Sehnsucht ist die Strandbar“ (Universal)
Ein wenig gruselig wirken sie schon, die Rhythmus Boys. Wenn der baumlange Günther am Baß das stumme Lachen einer Bauchrednerpuppe aufsetzt oder Herr Meyer den „schmierigen Buchhalter“an der Gitarre mimt. Oder Robby Schuster: Vom verschmitzt dreinblickenden Bonvivant wird berichtet, er habe einst das Angebot einer weltberühmten Liverpooler Band, für sie zu trommeln, ausgeschlagen. Grund: zu wenig Swing.
Das ist bei Hamburgs schnittigstem Nostalgiesurfer Ulrich Tukur natürlich anders. „Das ist hot, das ist flott, das ist Tanzmusik!“lautet dessen Motto auf Meine Sehnsucht ist die Strandbar. Ein Potpourri aus, ähm, heißen Rhythmen und heiteren Melodien, mit dem uns der Schauspieler in die morbide Schlagerwelt der Dreißiger und Vierziger entführt. Komponisten wie Kreuder und Grothe sorgten damals für den offiziellen Swing zum Untergang. Tukur kokettiert mit dieser Zeit, manchmal allzu naiv, etwa wenn er das Ganze „Lilly und Marlene“widmet. Doch Eigenkomponiertes und Gedanken zur „tschechoslowakischen Unterhaltungsmusik 1958“offenbaren den Missionar mit rückblickender Weitsicht.
Michael Hess
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