: Quanta costa eine Kugel Schoko-Gelato, bitte?
Mit der Euro-Einführung entfiel für viele das Kopfrechnen im Urlaub. Dabei bewies die Gemeinschaftswährung erst in der Eurokrise ihre wahre Stärke
Von Simon Poelchau
Der Sommer vor 25 Jahren war auch ein Sommer des Abschieds. Noch ein letztes Mal hatte man sich ordentlich im Kopfrechnen üben können: Quanta costa eine Kugel Schoko-Gelato, bitte? 1.500 Lira. Was ist das in D-Mark? Ist das viel für Rimini? War das teurer als zu Hause? Wer das wissen wollte, musste erst mal umrechnen. Doch mit der Heimreise vor 25 Jahren war damit Schluss. Zumindest für die Sommerurlaube in Italien. Denn zum Jahreswechsel kam die zweite große Währungsreform der Nachkriegsgeschichte: Auf Wiedersehen, D-Mark! Arrivederci, Lira! Hello, Euro!
Genau genommen war die Währungsreform im Sommer 2001 schon voll im Gange. Ihre Grundlagen wurden bereits 1992 im Vertrag von Maastricht festgeschrieben. 1998 wurde dafür die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main geschaffen. Und eigentlich gab es den Euro auch schon seit 1999. Doch war er für die meisten Menschen zunächst unsichtbar ein reines Buchgeld für die Banken. Am 1. Januar 2002 wurde er dann in Form von Münzen und Scheinen auch greifbar.
Anfangs machten nur zwölf EU-Staaten beim Euro mit, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Mittlerweile können die Verbraucher*innen in 21 von 27 EU-Ländern mit ihm zahlen. Als letztes Mitglied in der Gemeinschaft kam Anfang 2026 Bulgarien hinzu.
Nichtsdestotrotz gab es immer wieder Kritik am Euro. Manch ein Nörgler machte ihn dafür verantwortlich, dass alles immer teurer wird, und nannte ihn zu seiner Einführung bloß „Teuro“. Die AfD gründete sich 2013 im hessischen Oberursel, nicht weit von der EZB entfernt, als Anti-Euro-Partei. Damals wütete die Eurokrise. Sie war aus der Finanzkrise 2007 entstanden, weil Regierungen ihre in Schieflage geratenen Banken mit Krediten retten mussten und sich deswegen massiv verschuldeten.
Während Deutschland recht gut durch die Eurokrise kam und von historisch niedrigen Zinsen profitierte, mussten Griechenland und andere Krisenstaaten mit Hilfskrediten gerettet werden. Dafür mussten diese Länder drastische Reformen durchführen, weshalb es auch von links Kritik an den europäischen Institutionen gab. Die Blockupy-Bewegung mobilisierte mehrfach nach Frankfurt am Main, um gegen die EZB als zentrale Krisenakteurin zu protestieren. Ihr Slogan: „They want capitalism without democracy – we want democracy without capitalism!“
Die Währungsgemeinschaft drohte in der Eurokrise auseinanderzubrechen. EZB-Chef Mario Draghi versprach damals, alles zu tun, um dies zu verhindern. Seine drei Wörter „Whatever it takes“, die er im Sommer 2012 bei einer Rede in London sagte, um die Finanzmärkte zu beruhigen, gingen in die Geschichte ein.
Es kann nur spekuliert werden, was passiert wäre, wenn die große Finanzkrise nach Europa gekommen wäre und es den Euro nicht gegeben hätte. Ein Grund aber, warum gerade kleinere Länder die Gemeinschaftswährung so gut finden: Weil man gemeinsam stärker ist. So sind kleine Einzelwährungen viel angreifbarer, wenn Finanzinvestoren gegen sie wetten.
Auch Deutschland profitierte in Form von Exportüberschüssen massiv vom Euro. Die D-Mark hätte immer wieder aufgewertet müssen und damit deutsche Waren im Ausland verteuert. Vor allem verkaufen hiesige Unternehmen einen großen Teil ihrer Exporte ins europäische Ausland. Deswegen geht es derzeit auch mit der Wirtschaft wieder schneller bergauf, als vor Kurzem noch gedacht. Gute Exportzahlen überraschen die Ökonom*innen. Damit konnte der nachbarschaftliche Handel die Folgen des Zollstreits mit den USA und der Konkurrenz aus China wieder wettmachen.
Ohne den Euro wäre der Aufschwung so also wohl nicht gekommen. Und noch dazu muss man beim Eisessen in Italien nicht mehr kopfrechnen.
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