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Punks bauen Wohnhaus um

■ In der Friesenstraße beginnt ein ganz normaler Umbau unter nicht ganz normalen Bedingungen / Wohnraum für 10 Jugendliche soll geschaffen werden

Von neun bis vier bauen 11 Punks in der Friesenstraße ein Haus um. Foto: Jörg Oberheide

Das Haus Friesenstraße 94 ist im Moment Brennpunkt des nachbarschaftlichen Interesses. Dabei ist es nur eine schlichte Baustelle. Aber der Umbau ist es nicht, der die Friesenstraßengemüter bewegt. Die Blicke durch Diolengardinen gelten den BauarbeiterInnen, dem Dutzend junger Menschen mit blauen Haaren, löchrigen Hosen und Fliegerstiefeln. Manch ein Nachbar wird seine Frau gefragt haben: „Seit wann arbeiten Punks denn?“ Aber sie tun es: Ab neun Uhr Morgens bis zum Feierabend um vier.

Sie alle haben einjährige Arbeitsverträge, zum Teil als ABM'ler, zum Teil bezahlt aus dem Sozialhilfetopf. Bis 1990 wollen sie das dreistöckige Wohnhaus mit Nebengebäuden zu einem Wohnhprojekt für Jugendliche umbauen. Gekauft hat das Haus der „Verein zur Förderung medienpädagogischer Aktivitäten“, und der Senat fördert das Vorhaben mit 140.000 DM. Die architektonischen Arbeiten hat die „Planungswerkstatt Bremen“ übernommen; dessen Mitglied Wolfgang Kück und eine Organisatorin werden den Umbau beratend begleiten.

Einer der Punks kommentiert: „Die Chefin ist ganz in Ordnung“, und das kontrastiert mit der Unordnung im Haus. Die aber liegt in der Natur der Sache, denn der Umbau beginnt mit Demontage: Überflüssige Wände werden herausgerissen, veraltete Elektroleitungen entfernt und die Heizungsanlage demontiert. Später, wenn fachliche Arbeiten hinzukommen, sollen dem Projekt noch zwei Maurer zugewiesen werden, und schon jetzt ist klar, daß die Elektro- und Sanitärarbeiten als Fremdaufträge vergeben werden müssen.

So ist das Projekt ein Gang auf dünnem Eis, denn natürlich können die Beteiligten später wieder ins Arbeitslosenloch fallen. Aber auf jeden Fall wird preisgünstiger Wohnraum für Jugendliche geschaffen und einige von den Punks, die jetzt Wände aufschlagen, werden sie im nächsten Jahr mit Postern der „Dead Kennedys“ verschönern. FW

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