: Pünktlich zur Messe: Optimismus
■ Alte Schlüsselbranchen melden zweistellige Zuwachszahlen / Ausfuhrexzeß geht weiter
Berlin (taz) - Rechtzeitig zur größten Industriegüterschzau der Welt, der Hannover-Messe, tragen Wirtschaft und Regierung Optimismus zur Schau. Bundeswirtschaftsminister Haussmann hat zur Messeeröffnung erklärt, man erwarte jetzt offiziell ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent und nicht, wie bisher in Bonn vorausgesagt wurde, 2,5 Prozent (im vergangenen Jahr war der Zuwachs des Bruttosozialproduktes mit 3,4 Prozent doppelt so hoch wie angenommen). Der Grund für den überschäumenden Optimismus ist die starke Zunahme bei der Nachfrage von Investitionsgütern. Allein im Februar war die industrielle Produktion um 0,5 Prozent höher als im Januar, meldet die Regierung, während man im Baugewerbe in den Monaten Januar und Februar im Vergleich zu beiden Vorjahresmonaten die Geschäfte gar um 18,1 Prozent steigern konnte.
Das statistische Bundesamt gibt derweil an, wie stark die Bundesrepublik am weltwirtschaftlichen Ungleichgewicht beteiligt ist: Für den Januar und Februar war der Wert der BRD-Ausfuhren um 29 Prozent, mithin also ein knappes Drittel höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Ausfuhrüberschuß betrug in beiden Monaten zusammengenommen 23 Milliarden Mark (1988: 16,6 Milliarden).
All die alten Industrien, neben dem Bau auch Maschinenbau und Stahl, melden ebenfalls gewaltige Aufschwungzahlen: Bei der Mannesmann-AG lagen die Aufträge im Januar und Februar um 20 Prozent höher als ein Jahr zuvor, und selbst die Stahlunternehmen, die in letzter Zeit vor allem mit Entlassungen und entsprechenden Androhungen von sich Reden gemacht hatten, sind zur Zeit glänzend ausgelastet. Die Hoesch AG meldete gestern für 1988 einen Umsatzzuwachs gegenüber 1987 um 14 Prozent.
ulk
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