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Prozession der trunkenen Überspannung

■ Die Japaner von Guitar Wolf perfektionieren den Rock'n'Roll zum Ritual

Wenn Seiji „Rock'n'Roll“schreit, klingt das, als bete er zu einem fremden Gott. Und der junge Mann schreit auf der Bühne die ganze Zeit. Bei seiner Band Guitar Wolf ist jeder Handschlag sakral geladen, die kleinste Geste ist hier Teil eines festen Rituals. Natürlich trinkt Seiji vor Auftritten mit geradezu religiösem Pflichtbewußtsein ganze Flaschen Tequila auf Ex, natürlich nennt sich sein Bassist Billy und fährt nach jedem Song mit dem Kamm durch die Schrippenfrisur.

Guitar Wolf sind Japaner, und was die Japaner momentan musikalisch anfassen, machen sie besser als der Rest der Welt. So sammeln die drei Garagenrocker die Ingredienzien ihres Fachs und fügen sie zu einer gottesdienstähnlichen Nummernrevue zusammen. Hier die zur Unkenntlichkeit verzerrten Riffs von Link Wray, dort der beseelte Kampfruf von MC 5: „Kick out the jams, motherfucker!“Daß das aus den Mündern von Japanern irgendwie komisch klingt, nimmt der Veranstaltung keineswegs die Würde. Guitar Wolf übertreiben, wo sie nur können, weil sie wissen, daß Rock'n'Roll auch immer von Maßlosigkeit handelt. Und von Geschwindigkeit und Härte.

Deshalb dauern die zwölf Stücke auf Missile Me!, dem aktuellen Album des Trios, keine halbe Stunde. Deshalb klingen sie, als habe jemand eine Aufnahmemaschine an den Lüftungsschacht des Übungskellers gehalten. Ein grandioses Geschrammel ist das, in dem ihre Helden deutlich genannt werden. Ein Song heißt „Link Wray“, ein anderer „Kung Fu Ramone Culmination Tactic“– obwohl die drei Kerle mit den Philosophien heimatlicher Kampfsportarten wenig anzufangen wissen dürften.

Guitar Wolf verspritzen mehr Schweiß als notwendig, und ihre Muskeln sind immer ein bißchen überspannt. Das ist natürlich sehr unökonomisch, und das soll auch so sein. Denn Rationalität geht ihnen gegen den Strich. Wie allen religiösen Fanatikern.

Christian Buß

Fr, 25. April, 23 Uhr, Heinz Karmer's Tanzcafé

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