Proteste gegen „Thüringentag“: Neonazis für Wohlleben

Auf dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Kahla bekundeten Nazis ihre Solidarität für den im NSU-Prozess angeklagten Ralf Wohlleben. 500 Bürger hielten dagegen.

Der „Thüringentag der nationalen Jugend“: eine Zusammenkunft mit einschlägigen Musikgruppen und Reden. Bild: dpa

KAHLA dpa | Mehr als 500 Thüringer Bürger haben sich einem Aufmarsch von Rechtsextremen mit Solidaritätsbekundungen für den einstigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben entgegengestellt. Für den „Thüringentag der nationalen Jugend“ mit einschlägigen Musikgruppen und Reden hatten sich die Rechtsextremen am Samstag die Kleinstadt Kahla bei Jena auserkoren.

Allerdings konnten sie nach Angaben der Polizei mit 160 Neonazi-Teilnehmern deutlich weniger Besucher mobilisieren als erwartet. Laut Polizei kam es bei den Veranstaltungen zu keinen größeren Zwischenfällen. Wohlleben, der im Münchner NSU-Prozess wegen Beihilfe zu neunfachem Mord angeklagt ist, gilt als Begründer des Festivals.

Es wurde 2002 zum ersten Mal in Jena ausgerichtet und macht seither jedes Jahr in einer anderen Thüringer Stadt Station. In Spitzenzeiten kamen bis zu 800 Besucher. „Es ist bitter mitzuerleben, dass solche Veranstaltungen überhaupt stattfinden“, sagte Landtagsvizepräsidentin Astrid Rothe-Beinlich (Grüne).

Etliche der angereisten Rechtsextremen solidarisierten sich den Angaben zufolge einmal mehr unter dem Slogan „Freiheit für Wolle“ mit Wohlleben, der bis zu seiner Verhaftung in Jena gewohnt hat. Die Stadt Kahla hat sich nach Einschätzung von Beobachtern der Szene zu einem Rückzugsort für Rechtsextreme entwickelt, nachdem deren Aktivitäten in Jena auf immer stärkeren Widerstand gestoßen waren.

Am Rande der Protestveranstaltungen gegen den Neonazi-Aufmarsch zeichnete Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König für sein jahrelanges Engagement gegen Rechts mit dem Demokratiepreis des Landes aus. König wird schwerer Landfriedensbruch bei einer Demonstration gegen Rechtsextreme in Dresden vorgeworfen. Deswegen muss er sich vor Gericht verantworten.

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