■ Press-Schlag: Kleider machen Spieler
Morgen werden die Mattscheiben endlich wieder denen vorbehalten sein, die uns den meisten Gesprächsstoff liefern – den Kickern. Wer wird Meister? Die Frage bewegt die Nation. Ein wesentlicher Faktor bleibt oft unbeachtet – das Wohlbefinden der Herren. Und dieses ist bei Männern, die so viel auf ihr Äußeres wert legen wie Fußballer, auch abhängig von den Höschen und Leibchen, die sie tragen.
Stimmt die These, daß sich der Erfolg von Spitzenclubs wie Juventus Turin oder FC Barcelona in ihren traditionell dezent und klassisch gestalteten Trikots manifestiert, dann stehen mit Kaiserslautern und Wattenscheid schon vor dem Anpfiff die Absteiger fest. Ihre grellen, bunt gestreiften Trikots schmücken keinen Spieler. Auch die favorisierten Vereine wie Werder Bremen, die Werkelf aus Leverkusen oder die launische Diva vom Main werden mit eher biederen Trikots das spielerische Potential ihrer Profis nicht mobilisieren können.
„Den Trikots der meisten Bundesligavereine mangelt es an Klarheit und Stil“, meint die Düsseldorfer Modefachfrau Henrike Gerschütz. „Sie wurden verunstaltet durch ein Mustermix, in dem unruhige Linien und Streifen dominieren.“ Ganz anders präsentieren sich Borussia Mönchengladbach und Aufsteiger MSV Duisburg. Die „Fohlen“ laufen in dieser Saison mit Trikots in schlichtem Weiß mit schwarz-grünen Bündchen an Ärmel und Kragen auf, die „Zebras“ im traditionell-klassischen Streifenlook. Da das Outfit Klasse, Stil sowie Traditionsbewußtsein eines Spitzenteams beweist, machen sie die Meisterschaft unter sich aus. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen auch die Kölner „Geißböcke“ in elegantem Weiß mit raffinierten Knopfleisten, auch wenn die unruhigen roten Streifen an Oberarm und Rippen erheblich stören. Den als heißesten Titelaspiranten gehandelten Schwarz- Gelben aus Dortmund bleibt hingegen nur die Hoffnung, daß ihnen die topmodischen Basketballhosen ihres amerikanischen Ausrüsters die Flügel eines Michael Jordan verleihen und auf die vorderen Ränge hieven.
Den mitfavorisierten Bayern, dem Verein mit dem bekanntlich schönsten und eitelsten Spieler des Landes, droht sogar der Verlust seines Rufs als nationaler und internationaler Spitzenclub, weil er seine Profis neuerdings in Rot mit geschmacklos blauen Ärmeln aufs Feld schickt. Aufsteiger SC Freiburg braucht sich hinter der Konkurrenz nicht zu verstecken. Mit seinem rot-weißen Sportdress und den feinen Krägelchen werden sie sich in der Bundesliga halten können, auch wenn wegen der störenden Streifen an Hals und Lende nicht mehr als ein zwölfter Platz drin sein dürfte.
Auch in der Spielzeit 1993/94 ist zu erwarten, daß es Frauen weiterhin statt in Fußballstadien eher zu Leichtathletikveranstaltungen ziehen wird. „Die Ausrüstung dieser Sportart gewährleistet“, so die Dortmunder Sportliebhaberin Andrea Schmaus, „einfach eine bessere Sicht auf durchaus Sehenswertes.“ Matthias Schäfer
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