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Press-SchlagTod der „Starparade“

■ Fatalerweise hat der „kicker“ just seine weiseste Rubrik eingestellt

Unbegreiflich, daß es in der vergangenen Woche nicht einen Aufschrei gab unter kicker- Konsumenten. Kein tapferes Vor- und Rückwärtsblättern hilft, kein Anstarren des Inhaltsverzeichnisses. Die „Starparade“! Weg!! Nach 300 Folgen dieser soliden Rubrik nun das: Unter der ambitionierten Überschrift „Ich über mich“ sollen fortan prominente Sportler in semimodernem Layout A bis Z-Statements geben. „Ergiebiger“ sei die neue Form, hofft man in der kicker-Redaktion und rät: „Vielleicht können Sie sich ja noch dran gewöhnen.“ Nein. Nicht daß es wirklich bereichernd gewesen wäre, die Starparade zu durchstöbern.

Aber sie war ein Quell der Gewißheit, daß das Leben einfach, seine Werte ewig und seine Tücken in raren Momenten komisch sind. Erinnern wir uns also, der Not und dem Erneuerungsdrang der kicker-Redaktion gehorchend, an die gute, alte Zeit der Starparade. Schön zunächst, daß es meistens um Fußballer ging. Allein im Winter waren notgedrungen andere an der Reihe. Menschen, die sich aufrichtig um aufrichtige Bekenntisse mühten. „Welche Eigenschaft möchten Sie gern haben?“ – „Menschen glücklich zu machen“ (Gabi Kohlisch, Rennrodlerin). Ihre Randexistenz bekamen diese Athleten mit Extrafragen wie „Wenn Sie eine Million Mark gewinnen würden...?“ bescheinigt. Mit so was konnte man natürlich einem 500.000-Mark-netto-Kicker nicht kommen. Was also wollen wir vom Profi wissen?

Erste Frage: „Was bedeutet für Sie Glück?“ Erste Antwort: „Gesundheit“ (z.B. Pavel Kuka) oder „Gesundheit und keine Verletzungen“ (z.B. Jens Nowotny) oder „eine gesunde Familie“ (z.B. Uli Borowka). Merke: Der Fußballer mag eines schlichten Gemüts geziehen werden, kennt aber das Wesentliche. Keiner, der geantwortet hätte: „ein Ferrari“ oder „mit Cindy Crawford verheiratet sein“. Wobei Interesse an selbiger bei „Wen würden Sie gerne kennenlernen?“ doch zu vermerken war. Am Ende nannte der geerdete Profi aber stets wieder brav sein „Lebensziel“: „Gesund alt zu werden“, „lang leben und gesund bleiben“ oder, als Variante, „die Kinder aufwachsen zu sehen“. Das „gesund“ versteht sich hier von selbst.

Überhaupt kreiste natürlich alles um die glückliche Familie, die die Mehrheit schon hatte und eine Minderheit alsbald zu gründen versprach. Mancher sagte es etwas verschleiert, Lebensziel: „Alles zu tun für eine erfüllte Gemeinsamkeit mit Freundin Susanne.“ Solche Äußerungen – hier von Uwe Jähnig – waren besonders erquickend, wenn man sie mit anderen aus gleicher Parade verband. „Ihre schlechteste Angewohnheit?“ „... meine Freundin...“ Toll, wie man nun in völliger Unkenntnis von Uwe und Susanne über einen wirren Alltag spekulieren durfte. Das befriedigte Voyeursgelüste fast schon so gut wie die Lektüre des Goldenen Blatts. Zudem wollten die meisten als „berühmte Persönlichkeit“ Boris Becker treffen und hielten „keine“ oder nur das „Frauen-Catchen“ für „überflüssige Sportarten“. Mindestens die Hälfte anempfahlen sich für Werbespots der Telekom: „Welche ist die wichtigste Erfindung?“ – „Das Telefon.“ Relative Einigkeit herrschte desgleichen darüber, daß „mit gutem Essen“ die Antwort auf „Wie verwöhnen Sie sich?“ ist.

Wenden wir uns noch einmal geheimen Sehnsüchten zu. „Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne tauschen?“ Ach! Da verriet sich die beneidenswerte Zufriedenheit des Erfolgreichen. „Mit keiner“, sagten alle, fast. Nur merkwürdig Ambitionierte hegten mitunter den Wunsch, irgendein anderer erfolgreicher Athlet zu sein. Aber das Gros! Einfach rundum zufrieden – wohl weil gesund und mit Familie und gutem Essen und Telefonat zum Dessert bedacht. Die beruhigende Redundanz all dieser Einsichten ins Leben des Fußballstars – vorbei. Und so wird niemand je mehr auf die Frage „Welcher Verzicht fällt Ihnen am schwersten?“ sagen dürfen: „Der auf die Starparade.“ Katrin Weber-Klüver

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