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Preisverleihung...

■ ...aus Anlaß des Soundsovielten — alles wie gehabt

Berlin-Mitte. Auch wenn Walter Jens in seiner geschliffenen Laudatio behauptete, es gäbe »keinen Anlaß zur Resignation«, so beschlich gerade jener Gemütszustand so manchen der anwesenden Ex- DDRler bei der Verleihung des »Demokratiepreises« der Blätter für deutsche und internationale Politik. Irgendwie hatte man das Gefühl, alles schon früher einmal erlebt zu haben.

Hier saßen eine Menge Honoratioren im Auditorium — Günter Gaus, Gregor Gysi, Christoph Hein, Ingrid Köppe, Hans Modrow, Sebastian Pflugbeil, Konrad Weiss und Vera Wollenberger — und wissen, gleich werden ein paar der Ihren aufgerufen, um »aus Anlaß des soundsovielten Jahrestages« — hier der erste des Runden Tisches — eine Urkunde überreicht zu bekommen und hinterher einen Briefumschlag mit noch was drin. Dann tritt ein Redner ans Mikrofon und beschwört den Geist der Zeit, in der die Geehrten ihre ruhmvollen Taten begingen — und daß er natürlich bis heute weiterwirkt.

Diejenigen, die gestern auf solche Art im »Dietrich-Bonhoeffer- Haus« geehrt wurden, hießen Bärbel Bohley und Wolfgang Ullmann. Unbestritten sind ihre Verdienste bei der sogenannten »friedlichen Revolution« in der DDR, kein Zweifel besteht an der moralischen Integrität der beiden, die ihre 10.000 Mark Preisgeld für die Ausbildung von Ausländern zur Verfügung stellen wollen.

Doch wenn man schon wieder so weit ist, »Jahrestage« mit Preisverleihungen und ähnlichem Schnickschnack zu begehen, dann scheint die Sache an sich schon ziemlich tot.

Es war einmal. Olaf Kampmann

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