: Populäre Baumwolle macht uns krank
Die Enquetekommission für Umweltschutz fordert einen nationalen Umweltplan / Hersteller von dioxinbelasteten Textilien sollen haften / Generelle Recycling-Garantie für PVC ■ Von Susanne Krispin
Berlin (taz) – Die allseits so beliebten T-Shirts aus Baumwolle sind alles andere als gesund und umweltverträglich. Wie das Institut für ökologische Chemie der Uni Bayreuth herausfand, sind die Hemden zum Teil mit 350 Nanogram Dioxin belastet. Geprüft wurden 35 vor allem aus Asien importierte Fertigtextilien. Bei jedem dritten Kleidungsstück wurde das Sevesogift nachgewiesen. Künftig soll der Vertrieb von belasteten Textilien stärker geahndet werden, fordert die Enquetekommision „Schutz des Menschen und der Umwelt“ in ihrem am Dienstag vorgelegten Bericht.
Wie Thomas Lehnius, Textilexperte des BUND, sagt, mache Dioxin in dieser Größenordnung möglicherweise den wesentlichen Grundwert für die gesamte Dioxinbelastung des Körpers aus. In den untersuchten T-Shirts wurden Stoffe verarbeitet, die in Deutschland längst verboten sind. So setzen viele Hersteller noch immer Pentachlorphenol (PCP) gegen Insektenfraß und Pilzbefall bei der Lagerung ein. Oft läßt sich nur schwer verfolgen, welche Stoffe in der Vorproduktion der Fasern benutzt werden. Vor allem die Farben Rot und Blau wiesen besonders hohe Dioxinkonzentrationen auf.
Künftig jedoch sollen die Vertreiber von solchen Importtextilien, die mit in Deutschland nicht erlaubten Mitteln behandelt wurden, für Schäden wie Allergien haften, so die Forderung der Kommision. Die Umwelthaftung ist ein Teil des von der Kommission geforderten nationalen Umweltplanes. Wie der Kommissionsvorsitzende Ernst Schwanhold (SPD), sagte, gehören dazu außerdem steuerliche Anreize und handelbare Zertifikate bei globalen Emissionen wie Kohlendioxyd.
Doch die SPD konnte sich innerhalb der Kommission nicht in allen Punkten durchsetzen. So gibt es im Bereich der Chlorchemie ein Sondervotum der SPD, die ein Produktionsstopp für kurzlebige und auch für nicht recycelbare PVC-Produkte fordert. Außerdem plädiert die SPD in ihrem Sondervotum für eine generelle Recyclinggarantie für PVC. Immerhin sind derzeit 12 Millionen Tonnen PVC im Umlauf. Diesen Berg zu recyceln würde 46 Milliarden Mark kosten.
Thomas Lehnius, der die mehr als zweijährige Arbeit der Kommission begleitet hat, sieht jedoch einen Fortschritt in der Debatte um die Chlorchemie. „In einigen Teilbereichen sind sich Industrie und Kommission durchaus näher gekommen. Es ist inzwischen unstrittig, daß Teile der Chemieindustrie umstrukturiert werden müssen. Daß Grundsstoffe noch viel effizienter als bisher eingesetzt werden können und damit die „Stoffströme“ verbessert werden, leuchtet jetzt auch der Chemieindustrie ein. Doch immer wenn es in der Frage der Umstrukturierung in die Details ging, waren die alten Blockaden wieder da.“ Daher sei es wichtig, daß die Arbeit der Kommission weitergeführt werde, so Lehnius. Außerdem komme im Bericht der ganze Bereich der Ökosteuern viel zu kurz. Hier war eigentlich viel mehr geplant, so Lehnius. Doch habe der Verband der Chemischen Industrie doch noch Druck gemacht und dafür gesorgt, daß zum Thema Ökosteuer nicht mehr drin steht, als daß „dieses Instrument auf seine Tauglichkeit und Angemessenheit hin geprüft werden muß“.
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