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Polizeieinsatz an der FU

■ Asta wollte Vortrag des umstrittenen Aids-Forschers Duesberg verhindern

„Wir lassen uns nicht, von wem auch immer, diktieren, was politisch korrekt ist“, sagte gestern der Pressesprecher der Freien Universität (FU), Christian Walther.

Er reagierte damit auf eine Besetzung von Mitgliedern des Asta am Mittwoch abend, die damit einen Vortrag des umstrittenen US- amerikanischen Molekularbiologen Peter Duesberg zum Thema „Aids: Drogen- oder Infektionskrankheit?“ verhindern wollten. Daraufhin ließ FU-Verwaltungschef Zegenhagen den blockierten Technikraum des Hörsaals durch die Polizei räumen, so daß der Vortrag mit etwa 600 Zuhörern zu Ende geführt werden konnte. Die Uni erstattete gegen zwei Studenten Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Professor Duesberg, der seit Jahren vehement die Hypothese „HIV = Aids“ kritisiert, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Der Virologe, durch dessen Arbeit die Basis für die spätere Klassifizierung HIV geschaffen wurde, hält Safer-Sex-Kampagnen für unsinnig, weil Aids keine übertragbare Krankheit, sondern das Aids-Syndrom auf Drogen zurückzuführen sei.

Der Asta hatte bereits in den letzten Tagen von Präsident Manfred Gerlach ein Verbot der „diskriminierenden Veranstaltung“ gefordert. Gerlach lehnte dies als „eine unzuverlässige administrative Einmischung in eine wissenschaftliche Auseinandersetzung“ ab. Der Asta jedoch ist der Meinung, daß die Freie Universität Professor Duesberg nicht zu einer „Wissenschaftlichkeit“ verhelfen dürfe, die er nicht habe, erklärte das Asta-Mitglied Catharina Schmalstieg.

Entscheidend für den Protest sei gewesen, daß kein wissenschaftliches Streitgespräch stattgefunden habe. Der Versuch, einen offenen Brief an den Vizepräsidenten zu verlesen, sei durch einen Mitarbeiter des Veranstalters unterbunden worden, so Schmalstieg weiter. Deshalb sei die Besetzung des Tonraumes die „letzte Möglichkeit“ gewesen. Nach Schmalstiegs Angaben erstattete die Polizei gegen drei Studenten Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.

Eingeschaltet hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung auch das „Projekt Kritische Aids-Diskussion“. Sie betonen in einem offenen Brief ihre eigene Kritik an den Duesberg-Thesen, erklärten aber zugleich die Asta-Forderungen nach einem Veranstaltungsverbot für „ziemlich bescheuert“. Auch wenn Duesberg „keiner von uns“ sei, wäre es „total unangebracht“, ihn deswegen zur „Unperson“ zu erklären, heißt es in dem Schreiben.

Heute wird Duesberg auf Einladung des Kieler Ärztevereins an der dortigen Uni einen Vortrag unter dem Thema „Aids: Ist das Virus wirklich schuld?“ halten. „Es ist Grundlage jeder Wissenschaft, andere anzuhören“, so Claus Köhnlein vom Ärzteverein, der auch den Vortrag in Berlin besuchte. „Man muß Duesberg ausreden lassen und dann Gegenargumente bringen.“ Barbara Bollwahn

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