Politisches Panel der Geno-Versammlung : Worte des Widerstands
Eine Podiumsdiskussion am Nachmittag der taz Genossenschaftsversammlung 2026 mit CSD-Organisatorin Rachel Hanf und Max Schneller gewährt Einblicke in den ostdeutschen Widerstand gegen rechte Kräfte.
taz Genossenschaft | Zwei Särge stehen in der Garage von Rachel Hanf, sinnbildlich für die sterbende Demokratie. Sie stammen von einem alten Theaterprojekt. Für den Fall, dass die AfD auch bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern die Mehrheit holen sollte, wolle sie damit vor dem Landtagsgebäude demonstrieren, erzählt sie am späten Samstagnachmittag auf der Bühne des Festsaals Kreuzberg. Inzwischen lässt sich sagen: Die Särge werden wohl zum Einsatz kommen.
„Wetten, dass die Demokratie gewinnt?“ Das war das Motto, unter dem die Berichterstattung der taz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern lief. Nach den Wahlergebnissen mit fast 44 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt und über 38 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern gilt es, den Fokus neu auszurichten.
Unter dem Motto „Wetten, dass Widerstand?“ fand deswegen auf der taz-Geno-Versammlung ein Gespräch mit zwei jungen Menschen statt, die genau diesen Widerstand leisten: Rachel Hanf, 20, und Max Schneller, 17. Die Moderation übernahm Anne Fromm, Ressortleiterin Reportage und Recherche.
Erstmal durchatmen
Rachel Hanf – Buzzcut, markante Brille, grauer Blazer – organisiert in Mecklenburg-Vorpommern Christopher Street Days, vergangenes Jahr in Grevesmühlen, dieses in Wismar. Ihre Motivation: „Ich versuche, denen eine Stimme zu geben, die keine haben oder nicht wissen, wie sie lauter werden können.“
Max Schneller, der nicht so wirkt, als wäre er erst 17 Jahre alt, wurde bekannt, weil er sich bei einer Querdenker-Demo öffentlich hinstellte und widersprach. Seitdem engagiert er sich in den sozialen Medien unter dem Namen maximal.demokratisch für die Demokratie. Auch in der taz hat er seine Perspektive aufgeschrieben.
Für ihn sei der Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in seiner Heimat Sachsen-Anhalt ein Schock gewesen. In der Woche nach der Wahl habe er alle Termine abgesagt. „Ich musste erst mal durchatmen“, sagt er. „Uns war bewusst, dass die AfD stark wird, aber nicht, dass sie so stark wird.“
Nazis im Anzug
Das Ergebnis sei aber nicht das Versagen der Zivilgesellschaft. Er wünscht sich von den demokratischen Parteien eine klarere Haltung, Stichwort Brandmauer. „Die Brandmauer ist doch kein Projekt, sie ist eine Haltung“, sagt er. Für ihn gibt es eine klare Linie: „Mit Nazis spricht man nicht.“
Damit meine er die Nazis im Anzug und ergänzt: „Auf die Leute, die AfD wählen, auf die sollte man zugehen.“ Auch Hanf hält es für wichtig, gerade mit der Jugend ins Gespräch zu kommen. „Die AfD ist die stärkste Kraft, weil sie ihre Opferrolle gut verkaufen kann“, sagt Schneller.
Und weil man ihnen immer wieder die Bühne dafür gebe. „Warum lädt man die Leute auch in Talkshows ein?“, fragt er. Dadurch mache man sie erst salonfähig. Stattdessen brauche es mehr positive Beiträge im Netz, die Demokratieprozesse zeigen. „Zeigt nicht ständig irgendeinen Hans-Jürgen, der demokratiefeindliche Scheiße sagt.“
Haltung muss lauter sein als Angst
Die größte Herausforderung für die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern dürfte sein, in Zukunft finanzielle Mittel einzutreiben, sind sich beide einig. „Am Staatshaushalt hängen sämtliche Vereine, Initiativen und Beratungsstellen dran.
Die müssen Gewissheit haben, um sich weiter organisieren zu können“, sagt Schneller. „Dass man pleite ist, kann in einem Fingerschnips passieren“, ergänzt Hanf, die selbst miterlebt hat, wie ein von ihr betreutes Kulturwohnzimmer geschlossen werden musste.
Am Ende geht es auf dem Podium darum, dass trotz der Wahlergebnisse die großen Demonstrationen ausbleiben, wie es sie zum Beispiel 2024 nach den Enthüllungen des geheimen Treffens in Potsdam gab. „Die Menschen sind müde“, meint Schneller und Hanf ergänzt: „Die Menschen sind nicht nur müde von all dem Engagement und Aktivismus, sie haben auch Angst, auf die Straße zu gehen.“
Auch Hanf und Schneller hätten Angst, erklären beide. Die Angst sei zwar berechtigt, aber man dürfe sich nicht von ihr leiten lassen, meint Schneller, denn: „In diesen Zeiten muss Haltung lauter sein als Angst.“ Applaus vom Publikum.
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